Fünfund dreissigstes Kapitel
Die Konjunktur
I. Begriff und äußere Gestalt der Expansions-
konj unktur
1. Im sechzehnten und siebzehnten Kapitel des zweiten Bandes, wo ichdas Nötige über die Konjunktur im allgemeinen—Konjunktur: „die je-weilige Gesamtgestaltung der Marktverhältnisse, soweit diese bestimmendwird für das Schicksal der Einzelwirtschaft, das sich durch das Zusammen-wirken innerer und äußerer Ursachen vollendet“ — bemerkt habe, habeich vor allem auf den Unterschied hinweisen zu sollen geglaubt, der ob-waltet zwischen der Gestaltung der Konjunktur in vor- und auch nochfrühkapitalistischer Zeit einerseits, im Zeitalter des Hochkapitalismusandererseits. Wie es dort nur Abwärtsbewegungen, nur Niedergangs-konjunkturen und damit im Zusammenhang stehende Absatzstockungen,einfache Absatzkrisen, hier dagegen (neben jenen Detraktioriskonjunk-turen) zum erstenmal in der Geschichte auch Aufwärtsbewegun-gen, Aufschwungkonjunkturen, Expansionskonjunkturen mit darananschließenden Kontraktions- oder Kapital, ,krisen “ gibt.
Die Einsicht in diese Verschiedenheiten des Konjunkturstiles in denverschiedenen Epochen des Wirtschaftslebens ist grundlegend und Vor-bedingung für jedes Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge. (Wie-viel Mißverständnisse hätte man vermeiden können, wenn man zum Bei-spiel nicht die Torheit begangen hätte, zwischen der gegenwärtigen Welt-„krisis“ und den Expansionskonjunkturen der hochkapitalistischen Zeitirgendwelche innere Verwandtschaft zu vermuten, die nicht besteht.Die gegenwärtige Weltkrisis ist eine „einfache“ Absatzkrisis, wie sieim Gefolge jedes größeren Krieges aufgetreten ist, seit es eine markt-verbundene Verkehrswirtschaft gibt; der Kapitalismus ist an ihrvöllig unschuldig.)
Vor allem ist der Prozeß in der hochkapitalistischen Wirtschaftnur richtig in seiner Eigenart zu erfassen, wenn man in ihm jene rhyth-mische Bewegung erkennt, wie sie sich mit dem Auf und Ab, der Systoleund der Diastole der Expansionskonjunktur ergibt.
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