Fünfuuddreißigstes Kapitel: Die Konjunktur
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(2) die Vermehrung der Kredite, in der sich recht eigentlich die Ver-änderung der Wirtschaftslage äußert;
(3) die Vermehrung der Nachfrage infolge einer ersten Mehrproduk-tion an einer Stelle.
Mit dieser letzten Bemerkung ist unsere Untersuchung über dieGründe des Aufschwungs schon zu der Betrachtung des zweiten Teilesdes Problems fortgeschritten: zu der Betrachtung der Wirkungennämlich, die der wiedererwachte Unternehmungstrieb im Gefolge hat.Unter diesen Wirkungen kommt als wichtigste in Betracht die rascheSteigerung der Produktion einer ganz bestimm-ten Art von Gütern, auf die ich schon bei der Symptomatologieder Expansionskonjunktur kurz hingewiesen hatte, und über derenNatur wir uns jetzt noch genauere Kenntnis verschaffen müssen.
Worauf die spekulative Produktion — und zunächst ist die Produk-tion, die eine Aufschwungsperiode einleitet, durchgängig spekulativ —vor allem ihr Augenmerk richtet, ist die Erzeugung dessen, was ichanorganische Dauergüter genannt habe. Unter ihnen ragendie rententragenden Güter hervor. Dieses können „Anlagen“ in derüblichen Bedeutung des Wortes sein, wie Bahnen, Beleuchtungsanlagen,Kraftwerke; aber auch rententragende Güter, die wir nicht gut als„Anlagen“ bezeichnen können, wie Mietshäuser, Schiffe u. dgl.Ferner kommen aber als solche anorganischen Dauergüter, auf diesich die Produktion stürzt, auch letzte Gebrauchsgüter in Betracht,wie Fahrräder, Automobile, Flugzeuge. In ihrer Beziehung zum Kon-junkturproblem können wir diese Güter auch primäre Auf-schwungsgüter nennen.
Der Ausdruck zur Bezeichnung dieser bevorzugten Güterart, die ichanorganische Dauergüter zu nennen vorschlage, steht nicht fest. Offenbarhaben die neueren Krisen- oder Konjunkturtheoretiker, wenigstens die-jenigen, deren Ansichten Beachtung verdienen, sämtlich dieselben Güter,die ich eben aufgezählt habe, im Auge. Sie benamsen sie aber ganz ver-schieden. Der eine spricht von „Erzeugungs- und langdauernden Nutzungs-anlagen“, der andere von „Gütern des mittelbaren Verbrauchs undErtragsgütem“ (Spiethoff). Das ist einerseits zu eng, da auch letzteKonsumtionsgüter in Frage kommen, andererseits nicht scharf genugin der Unterscheidung, da Ertragsgüter doch auch Güter des mittelbarenVerbrauchs sind; falls aber unter diesen nur Produktionsmittel verstandenwerden sollen, ist es keine glückliche Zusammenstellung, da es sichzunächst darum handelt, nur die erzeugten Fertiggüter zu nennen. Einzweiter spricht von „Erweiterungsindustrien“ und „Produktionsmittel-industrien“, deren Ausweitung den Aufschwung zunächst hervorrufen