574 Zweiter Abschnitt: Die Bewegungsformen des wirtschaftlichen Prozesses
sollen. Ist zu unbestimmt (zu eins), zu eng (zu zwei). Ein dritter sprichtvon „Industrien zur Erzeugung des festen Kapitals“ (Cassel). Ist zueng. Mir scheint, diesen Benennungen gegenüber ist mein Ausdruck derbeste, da er den Kreis der zu bezeichnenden Güter nicht zu weit undnicht zu eng abgrenzt.
Die Engländer (z. B. Robertson) sprechen von Constructional In-dustries im Gegensatz zu Consumptive Industries. Zum Teil liegt übrigensbei den verschiedenen Autoren eine Vermengung der primären und sekun-dären Aufschwungsgüter vor.
Die zweite Gruppe von Gütern nämlich, deren Erzeugung aus-geweitet wird, sind nun die für die Herstellung jener Güter der erstenGruppe erforderlichen Produktionsmittel. Es sind die Er-zeugnisse der Maschinenindustrie (soweit die Dauergüter nicht selbstin dieser hervorgebracht werden) und folglich der Montanindustrie,deren Erzeugnisse aber auch ohne den Umweg über die Maschine vonder Dauergüterindustrie nachgefragt werden (Panzerplatten, Schiffs-schrauben, eiserne Träger usw.), und folglich des Bergbaues. Danebenaber auch Baumaterialien, wie Ziegel, Zement, Kalk. Wir wollen siesekundäre Aufschwungsgüter nennen.
Die Ausweitung der Produktion der Güter der ersten und zweitenGruppe führt mm aber — das ist vielleicht die Hauptsache — zur Neu-anlage von meist großdimensionierten Werken der Montan-industrie, der Baumaterialindustrie und des Bergbaues, in denen diebenötigten Produktionsmittel hergestellt werden, sowie von Werken, indenen einzelne Güter der ersten Kategorie erzeugt werden, wie Schiffs-werften, Fahrrad-, Automobilfabriken usw. Es ist eine wichtige, der Be-achtung werte Tatsache, auf die Cassel besonders aufmerksam macht,daß im Hochschwang der Gefühle, wie sie die Aufschwungsperiodemit sich bringt, weniger genau gerechnet wird, auch wem'ger rentableAnlagen gemacht werden, angesichts vor allem des niedrigen Zins-fußes. Ja — es werden unrentabel gewordene Betriebe des Bergbaues,der Hüttenindustrie wieder in Gang gesetzt, weil die Produktion, dies-mal angesichts der steigenden Preise, wieder als lohnend erscheint.
Die interessanteste Frage in dem ganzen Konjunkturproblem, diemeist gar nicht gestellt und fast immer ungenügend beantwortet wird,ist nun die: Wie ist die plötzliche nachhaltige Aus-weitung der Produktion möglich? Diese Frage nach denBedingungen der Expansion führt uns von selbst zu der Würdigungder eigentümlichen Lage, in der sich gerade die von der Aufschwungs-konjunktur bevorzugten Produktionszweige befinden, und damit zu der