582 Zweiter Abschnitt: Die Bewegungsformen des wirtschaftlichen Prozesses
Hypotheken und Baugelder zu beschaffen, geradezu prohibitiv; sollendoch allein in Berlin am 1. Juli 1907 über 100 Millionen Mark fälligeHypotheken unreguliert geblieben sein, die zur Subhastation der be-liebenen Häuser führten, soweit nicht Bankgelder zu drückendsten Be-dingungen über die Verlegenheit zeitweise binwegbalfen. Diese Stockungder Bautätigkeit führte zu einem Rückgang des Trägerverbrauchs (in dendrei Monaten September, Oktober und November betrug der Versanddes Stahlwerksverbandes an Trägern nur noch 332371 Tonnen gegen474357 Tonnen gleichzeitig 1906) und bald zu einer Erschütterung desEisenmarktes überhaupt. Schon in den ersten Monaten des Jahres 1907zeigte sich hier eine Zurückhaltung der Käufer, die man zunächst mitder Unsicherheit über die Verlängerung des Stahlwerksverbandes erklärenwollte. Als aber am 30. April der Verband nun wirklich in zwölfter Stundewieder zustande gekommen war, schwand diese Zurückhaltung nicht,sondern sie verschärfte sich nur; die Preise, namentlich für Stabeisenund Bleche, sanken fortgesetzt, und auch der Stahlwerksverband mußtedem schließlich Rechnung tragen, indem er seine Formeisen- und Halb-zeugpreise um 10 Mark herabsetzte; auch die Roheisenpreise sind umannähernd den gleichen Betrag ermäßigt worden — Thomas-Eisen notiertehei Jahresende 65,60—66,40 gegen etwa 75 bei Jahresbeginn —, derRückgang der weiterverfeinerten Eisenwaren aber war (verhängnisvollnamentlich für die auf den Kauf von Halbzeug angewiesenen „reinen“Werke) sehr erheblich größer, er betrug in den Hauptartikeln schon 40%und darüber.
Mitten aus der stärksten Arbeitsüberlastung, aus der stärksten Nach-frage heraus ist der Rückgang gekommen; während die Werke noch aufMonate hinaus mit Aufträgen versehen waren, sahen sie sich plötzlicheiner Stockung im Eingänge neuer Aufträge, einem Aufhören des weiterenBestandes gegenüber — die Erweiterungen, zu deren Ausführung dieWerke selbst ihre besten Kunden gewesen sind, waren zu Ende, derHandel mußte angesichts des hohen Geldstandes die teueren Lager zuverringern suchen, die erhöhte Produktionsfähigkeit der Werke drängtezu stärkerem Angebot, und wo noch vor einigen Monaten Aufträge nurunter riesigen Lieferungsfristen hereingenommen wurden, da herrschtenun ein stürmisches Suchen nach Aufträgen, um die die Werke sichgegenseitig unterboten.“
3. Der Wechsel
Ich habe oben bereits davon berichtet, daß einzelne Konjunktur-theoretiker eine „Gesetzmäßigkeit“ in dem Eintritt der Expansions-konjunkturen gefunden zu haben glauben. Ich habe dort auch bereitsmeine Bedenken gegen diese Ansichten geäußert. Wenn wir währendder hochkapitalistischen Epoche tatsächlich so etwas wie' einen Rhyth-mus der Konjunkturen beobachten können, einen Rhythmus, der frei-lich immer schwächer (wie wir noch genauer feststellen werden) und