592 Zweiter Abschnitt: Die BeweguDgsformen des wirtschaftlichen Prozesses
Zeit hat noch zwingendere Ursachen. Sie ist auch sachlich begründet.Damit meine ich jene Bindung des menschlichen Verhaltens, die aus der„Natur der Sache“ der vorzunehmenden Handlungen folgt. Eine solcheBindung folgt offensichtlich aus der Bindung an bestimmte Mittel zurDurchführung eines bestimmten Zweckes. Sobald dieser gegeben istund ebenso gegeben ist die Absicht, ihn so rasch und so gut wie möglichzu verwirklichen, so, sahen wir, ergibt sich eine Zwangsläufigkeit mitBezug auf die Mittelwahl. Ist nun der Zweck der kapitalistischen Wirt-schaft eindeutig bestimmt, und wird die Verwirklichung dieses Zweckesgewollt, so bleibt dem Handelnden nur ein beschränktes Maß von Frei-heit: er kann ein Bankhaus, kann eine Fabrik, kann ein Warenhaus imwesentlichen nicht anders wie sein Nachbar einrichten, wenn anders erden größten Profit herauswirtschaften will. Nun kommt aber ein wich-tiger Umstand noch hinzu, der die sachliche Gebundenheit der Wirt-schaftssubjekte im kapitalistischen Zeitalter noch wesentlich erhöht.Das ist der Umstand, daß auch ihre Zwecksetzung durch die Eigen-tümlichkeit der wirtschaftlichen Organisation in eine ganz bestimmteRichtung — nämlich der Gewinnerzielung — aus sachlichen Gründengedrängt wird. Das geschieht mittels jenes Prozesses, den ich die Objek-tionierung des Gewinnstrebens nenne, und den ich oben (Seite 37) aus-führlich beschrieben habe. Das Gewinnstreben wird also nicht nur auspsychologischer, sondern auch aus sachlicher Notwendigkeit zumimmer mehr einzigen Zweck der kapitalistischen Wirtschaft gemacht.
Zu diesen — nennen wir sie zusammenfassend: inneren —Zwängen tritt aber in unserer Wirtschaftsverfassung verstärkend nochein äußerer Grund einheitlichen Verhaltens hinzu: die Eingeschlossen-heit in die Marktzusammenhänge. Überall dort, wo dieeinzelne Wirtschaft den „Gesetzen des Marktes“ unterworfen ist, dasheißt, wo sie im Preise durch eine andere Wirtschaft unterboten werdenoder, wenn die Konkurrenz ausgeschaltet ist, wie im Falle des Monopols,doch wenigstens durch zu hohe Preise die Kundschaft verlieren kann,ist sie genötigt, ihr Verhalten den Anforderungen der billigsten Preis-bemessung gemäß zu gestalten. Diese Markthörigkeit, wie wir diesenZustand der Abhängigkeit von der Preisbildung nennen können, be-deutet nun aber die stärkste Beschränkung ihrer Willkür und zwingtdie Gleichförmigkeit des Gebarens von außen den einzelnen Wirt-schaften auf. Es gibt also, wie wir sehen, genug Gründe, die die Einzel-wirtschaften im kapitalistischen Nexus in die Richtung der Rationa-lisierung und somit der Gleichförmigkeit drängen.