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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Sechsunddreißigstes Kapitel: Die Gleichförmigkeit

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gepaßt, oder gesamtwirtschaftlich rationeller, das heißt in fortschreiten-der Annäherung an die Idee des Kapitalismus.

Dieser Vorgang der Rationalisierung in unserer Zeitepochetritt min aber nach allen den Seiten hin zutage, die für die Ge-staltung der Gleichförmigkeit, wie wir oben festgestellt haben, inBetracht kommen, so daß diese durch den Vollzug des Rationalisie-rungsprozesses dreifach bewirkt wird.

Wir beobachten zunächst eine immer größere Gleichförmigkeit inder Zwecksetzung: immer mehr und immer ausschließlicher wird dieWirtschaftsführung auf die Gewinnerzielung eingestellt. Sodann nehmenwir eine immer peinlichere Auswahl der zweckmäßigsten Mittel zurErreichung dieses Zieles wahr, womit denn auch die Ausführung desZweckes immer gleichförmiger wird. Und endlich stellen wir fest, daßdie Bedingungen, unter denen gewirtschaftet wird, sich ebenfalls immermehr angleichen, weil sie immer mehr aus dem Geiste des Kapitalismus heraus selbst erst geschaffen werden. In dem Maße, wie sich das kapita-listische Wirtschaftssystem ausweitet und innerlich erstarkt, vereinheit-licht sich die Umwelt, in der sich das wirtschaftliche Handeln abspielt.Je mehr Kapitalismus, desto größer die Wahrscheinlichkeit kapita-listisch-rationeller und subjektivistisch-rationalistischer Gestaltung.

Offenbar ist nun aber diese Entwicklung des Wirtschaftslebens imZeitalter des Kapitalismus zu fortschreitender Rationalisierung unddarum Gleichförmigkeit keine zufällige, sondern eine irgendwie not-wendige. Fragen wir nach den Gründen der Notwendigkeit,so bieten sich uns deren mehrere an.

Die Zwangsläufigkeit kann psychologisch begründet sein,das heißt sie kann in einer sich immer mehr durchsetzenden, innerenNötigung zur Verfolgung bestimmter (gleicher) Zwecke, in einer immerstärkeren Neigung zur Bevorzugung zweckmäßiger Verfahrungsweisenund in einer immer mehr wachsenden Fähigkeit zur Anwendung derrationellsten Methode wurzeln. Diese psychologische Begründung einesbestimmten Verhaltens enthält die schwächste Bindung, die größteGefahr der Willkür und damit das geringste Maß der Zwangsläufigkeit.Immerhin bedeutet die Vereinheitlichung der Menschentypen in derRichtung kapitalistischer Prägung eine gewisse Gewähr für die Gleich-förmigkeit des Handelns und erklärt dessen Zunahme während derabgelaufenen Periode in erheblichem Maße.

Aber die Zwangsläufigkeit des wirtschaftlichen Handelns in unserer