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590 Zweiter Abschnitt: Die Bewegungsformen des wirtschaftlichen Prozesses
alter des Hochkapitalismus die Vorgänge des Wirtschafts-lebens von einer starken Tendenz zueinerfortschreitendenGleichförmigkeit erfüllt sind.
Um das einzusehen, müssen wir uns zunächst darüber verständigen,in welchem Sinne die Gleichförmigkeit gemeint sei, auf welche Gleich-förmigkeit hin also sich die Gestaltung des wirtschaftlichen Prozessesbewegen soll. Fortschreitende Gleichförmigkeit bedeutet, so kann manes schlagwortartig ausdrücken, fortschreitende natio-nalisiert! ng. Was aber wiederum ist unter dieser zu verstehen ?
Das heutzutage so oft und so oft in einem gar nicht scharf um-schriebenen Sinne gebrauchte W 7 ort „Rationalisierung“ deckt offen-bar sehr verschiedene Begriffe. Vor allem wird damit bezeichnet einsubjektives, seelisches Verhalten einerseits und eine objektive, geistigeGestaltungstendenz andererseits. Wir begegneten dieser Unterscheidungschon bei der Lehre von den Elementen der Bedarfsgestaltung. Das■dort Gesagte ist hier auf die wirtschaftlichen Handlungen überhauptauszudehnen. Im subjektiven (formalen) Sinne bedeutet Rationalisierungso viel wie das Bestreben, die Absicht, die Gepflogenheit, Handlungenund Einrichtungen tunlichst zweckmäßig zu gestalten. Der Gegensatzzu dem rationalistischen Verhalten in diesem Sinne ist das traditiona-üstische, bei dem man etwas macht, nicht weil es zweckmäßig, sondernweil es üblich ist. Im objektiven (materialen) Verstände hingegenhaben wir unter Rationalisierung zu verstehen die Annäherung einesVorgangs, eines Verfahrens, einer Einrichtung an die vollendete Zweck-mäßigkeit, die ihrerseits bestimmt wird durch einen irgendwie zurAnerkennung gebrachten objektiven Wert. Wir sprechen, wenn wirausdrücken wollen, daß die Rationalisierung in diesem zweiten Sinneerfolgreich gewesen sei, von einem rationellen Zustande oder Verfahren.
Wenn wir nun von einer geschichtlichen Zeitspanne wie dem Zeit-alter des Hochkapitalismus aussagen, daß in ihr eine Richtung aufRationalisierung herrsche, so soll das heißen einerseits, daß das wirt-schaftliche Verhalten der einzelnen Wirtschaftssubjekte ein mehr undmehr rationalistisches sei, andrerseits, daß die Wirtschaft immer ratio-neller gestaltet werde. Nur müssen wir hinzufügen: in welchem Ver-stände, mit bezug auf welche Werte rationeller? Die Antwort mußlauten (im Rahmen der hier beliebten Betrachtungsweise): kapi-talistisch rationeller. Was wiederum entweder so viel be-deutet wie privatwirtschaftlich rationeller, das heißt immer mehr denRentabilitätszwecken der einzelnen kapitalistischen Unternehmung an-