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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Sechsunddreißigstes Kapitel: Die Gleichförmigkeit 589

nigen will, ebenso usw. Endlich aber kann eine bestimmte Technikzwangsläufig bestimmte Mittel zur Durchführung eines Verfahrens not-wendig machen: Ein Bahnhof hat innerhalb eines gewissen Spiel-raumes bestimmte Bedingungen nach einem ganz bestimmten Vor-bild zu erfüllen; will ich in der früheren Weise telegraphieren, muß ichDrähte legen; um Stahl nach dem Bessemerverfahren herzustellen, mußich Birnen ganz bestimmter Anordnung bauen, darum eine ganz be-stimmte Anzahl bestimmt geschulter Arbeiter in einem Raume einesbestimmten Grundrisses gruppieren usw.

c) Unter Gleichheit der Bedingungen, die zur Gleich-förmigkeit der Erscheinungen führen, verstehe ich die Gleichheit allerjener objektiven Gegebenheiten, die für die Menschen bei der Durch-führung ihrer Zwecke bestimmend werden. Das können natürliche Be-dingungen sein, wie die Veranlagung eines Volkes, die Beschaffenheitdes Bodens und der Bodenschätze, die Eigenart des Klimas; oder Kultur-bedingungen. Unter diesen steht obenan die Gestaltung des Wirtschafts-systems, das bei allen wirtschaftlichen Maßnahmen als gegeben anzu-sehen ist. Wir wissen, daß in jedem Wirtschaftssystem die drei Seiten:der Geist, die Form und die Technik zu unterscheiden sind. Entschei-dend für das wirtschaftliche Verhalten und somit für eine etwaigeGleichförmigkeit dieses Verhaltens ist also etwa: das Vorwiegen be-stimmter Zwecksetzungen (die hier als objektive Bedingung, nicht wieoben als Äußerungen des Eigenwillens erscheinen) oder das Obwaltenbestimmter religiöser oder moralischer Grundsätze, das Maß vonKenntnissen u. dgl.; ist der Inbegriff aller Normen, die die Kirche, derStaat, die Sitte dem Wirtschaftenden vorschreiben man denke etwaan die Gleichförmigkeit, die das Zinsverbot, die Zunftordnung, der Flur-zwang geschaffen haben, oder die eine sozialistisch-kommunistischeStaats- und Rechtsordnung bewirken muß; ist endlich der Stand derTechnik, das heißt des technischen Wissens und Könnens einer Zeitoder eines Landes: Gleichförmigkeit als Folge des Koksverfahrens,der Dampf- oder Elektrizitätsnutzung.

Neben dem Wirtschaftssystem kommen als objektive Kultur-bedingungen des wirtschaftlichen Verhaltens noch in Betracht: dieGeschichte eines Volkes und die gegenwärtige Gesamtlage, wie etwa diedurch den Weltkrieg geschaffene Lage der Völker der Erde.

3. Diese allgemeinen Betrachtungen waren notwendig, um das Ver-ständnis zu wecken für die Feststellung, die ich nunmehr zu machenund deren Richtigkeit ich zu erweisen habe, daß nämlich im Zeit-