588 Zweiter Abschnitt: Die Bewegungsformen des wirtschaftlichen Prozesses
forscher, zu denen wir Sozialwissenschaftler doch wohl gehören,brauchen sich mit diesem Erkenntnisersatz nicht zu begnügen, daihnen wirkliche Einsicht in die inneren Zusammenhänge vergönnt ist;da sie im Gegensatz zum Naturforscher erkennen
„was die Welt
Im Innersten zusammenhält“,
eben den Geist und die im Geiste wirkenden Seelen der Menschen, ausdenen sich die Kultur und also auch die Wirtschaft aufbaut.
Wir sagen, wenn wir Kulturerscheinungen erkennen, daß wir sieverstehen. Und so gilt es auch die Gleichförmigkeit (und, was dasselbeist: die Ungleichförmigkeit) im Wirtschaftsleben zu „verstehen“, dasheißt ihre Gründe aufzudecken.
Soviel ich sehe, lassen sich drei Gründe (oder Gruppen von Gründen)anführen, die die Gleichförmigkeit verständlich machen: a) die Gleich-heit der Zwecke, b) die Gleichheit der Mittel, c) die Gleichheit derBedingungen.
a) Gleichförmig gestaltet sich das Wirtschaftsleben, weil die Menschengleiche Zwecke verfolgen. Wodurch diese Gleichheit derZwecksetzung wiederum begründet wird, können wir dahingestellt seinlassen; sie kann von der Gleichheit der menschlichen Urveranlagungkommen: daß sie ihren Hunger stillen, sich kleiden, sich schmückenwollen; sie kann aber auch aus einer geschichtlich bedingten Geistes-haltung folgen: daß sie Gewinn erzielen wollen; oder aus einer ihnenauf gedrungenen Lage: daß sie einen Krieg gewinnen wollen.
b) Gleichförmig gestaltet sich das Wirtschaftsleben, weil die Men-schen bei der Verwirklichung ihrer Zwecke sich gleicher Mittelbedienen. Auch diese Gleichheit der Mittelwahl kann wiederum in sehrverschiedener Weise begründet sein: physikalisch - chemisch - phy-siologisch, wenn es sich um die Wahl bestimmter Naturerzeugnissehandelt, die das Ernährungs- oder Kleidungs- oder Wohnungsbedürfnisbefriedigen sollen. Es gibt nun einmal nur eine beschränkte Anzahlsolcher Stoffe, deren wir uns bedienen können, und deshalb kommendie Menschen immer wieder darauf hinaus, die Erde zu bebauen undBäume zu pflanzen und Steine zu brechen oder Lehm zu brennen. DieGleichheit der Mittelwahl kann aber auch rational-ökonomische Ur-sachen haben: den Käufer heranzulocken, gibt es wiederum nur eine be-stimmt begrenzte Anzahl von Möglichkeiten; wenn der Betrieb ergiebigergestaltet werden soll, kann ich nur gewisse Maßnahmen treffen; wennich die Austausch Vorgänge auf dem Ma rkte erleichtern und beschleu-