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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Sechsunddreissigstes Kapitel

Die Gleichförmigkeit

1. Wenn wir die wirtschaftlichen Vorgänge beobachten, so nehmenwir solche wahr, die untereinander verschieden, und solche, die unter-einander gleich sind. Die Einzelfälle wecken unsere Teilnahme als Sozial-wissenschaftler nicht. Es interessiert uns als solche nicht, ob eineUnternehmung bankrott wird oder sich mit einer andern verschmilztoder eingeht; ob ein Arbeiter arbeitslos wird; ob eine Ware in diesemLaden billiger ist als im andern usw. Also gerade die lebensnächstenErscheinungen gehen uns nichts an, solange sie vereinzelt auftreten.Erst wo sietypisch werden, alsMassenerscheinungen ziehen wirsie in den Kreis unserer Betrachtungen.

Massenerscheinungen aber sind diejenigen Fälle, in denen sichbestimmte Merkmale an den Einzelerscheinungen wiederholen, in denenGleichförmigkeit auf tritt.

Die Gleichförmigkeit der wirtschaftlichen Erscheinungen kann sichauf größere oder kleinere Kreise erstrecken. Erst bei einer bestimmtenGröße des Kreises sind wir gewohnt, die Erscheinungen wissenschaft-lich zu werten. Es kommt auf die Einstellung an, wie wir die Grenzender Gleichförmigkeitskreise ziehen wollen. Treiben wir Volkswirtschafts-lehre, so ist die einzelne Volkswirtschaft der Bereich, innerhalb dessenwir nach Gleichförmigkeit ausschauen, die dann gegen die abweichendeGestaltung in anderen Volkswirtschaften abstechen. Betrachten wir dieWirtschaft unter sozialökonomischen Gesichtspunkten, so werden wirunser Augenmerk richten auf diejenigen Gleichförmigkeiten, die sichinnerhalb des Geltungsbezirks eines Wirtschaftssystems beobachtenlassen. Vom Standpunkt endlich einer allgemeinen Wirtschaftslehrewird der Gegenstand unserer Aufmerksamkeit die Gleichförmigkeitbilden, die sich über alle Landesgrenzen hinaus und jenseits aller Wirt-schaftssysteme in aller Wirtschaft wiederfindet.

2. Wenn der Naturforscher auf Gleichförmigkeiten im Naturge-schehen stößt, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als diese Gleichförmig-keit auf eine Formel zu bringen, das heißt sie äußerlich zu beschreibenoder, wie wir es auch nennen, für sie ein.Gesetz aufzustellen. Die Geist-