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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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586 Zweiter Abschnitt: Die Bewegungsformen des wirtschaftlichen Prozesses

Für die deutsche Hochofenindustrie hat G. Cassel (a. a. 0. Seite 500f.)lehrreiche Berechnungen angestellt. Danach steigt die Leistungsfähigkeitdes einzelnen Hochofens in dem Zeitraum von 18721909 durchschnitt-lich von 7560 t auf 51320 t. Diese Steigerung entfällt im wesentlichen aufdie 19schlechten Jahre. In diesen steigt die Leistungsfähigkeit durch-schnittlich um 1555 t im Jahre, während die Steigerung in den 18gutenJahren durchschnittlich nur 789 t beträgt. So steigt beispielsmäßig in denNiedergangsjahren nach 1900, wo die Roheisenproduktion von 19001901von 8520000 auf 7880000 t sinkt, die Leistungsfähigkeit von 33430 t imJahre 1900 auf 35580 t im Jahre 1901, auf 40520 t im Jahre 1902. In der-selben Zeit vollzieht sich der Untergang zahlreicherreiner Werke unddie Entstehung der gemischten Werke.

Aber es wäre unbillig, wollten wir nicht auch der Tatsache desWechsels zwischen Aufschwung und Niedergang ihren Anteil ander Förderung des Kapitalismus zuerkennen. Ihre Bedeutung liegtzunächst einfach darin, daß sie dazu verhilft, beide Seiten des Kapitalis-mus, die spekulativ-gewinnerische und die kalkulatorisch-organisa-torische, gleichmäßig zur Entwicklung zu bringen. Der Wechsel derKonjunktur bringt aber außerdem noch besondere Vorteile für denKapitalismus, indem er nämlich dazu beiträgt, jene ökonomische An-passung der Lohnarbeiterschaft an die Verwertungsbedürfnisse desKapitals, von der ich ausführlich gesprochen habe, herbeizuführen.Wenn es dem Kapitalismus gelungen ist, während seiner ganzen Hoch-periode den Arbeitslohn trotz des raschen Schrittmaßes der Kapitals-akkumulation in den angemessenen Grenzen zu halten und damit seineeigene Lebens- und Entwicklungsfähigkeit zu bewahren, so verdankter das wie ich schon ausgeführt habe nicht zuletzt dem eigentüm-lichen Rhythmus der Expansionskonjunktur. Diese ist es, die in denAufschwungszeiten dafür sorgt, daß der Arbeitslohn dank der raschenPreissteigerung nicht im gleichen Maße wie der Mehrwert wächst; sieist es aber auch, die durch die regehnäßige Kontraktionsbewegung,durch Abstoßung von Arbeitskräften den Arbeitsmarkt in erwünschterWeise überfüllt und damit die industrielle Reservearmee schafft, dieein ungebührliches Steigen des Arbeitslohnes verhindert.

Also: Segen über Segen, der für den Kapitalismus aus dem Daseinund Ablauf der Expansionskonjunktur fließt.