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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Fünfunddreißigstes Kapitel: Die Konjunktur

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kapitalistischen Wirtschaftssystems, Zeiten technischer Fortschritte inder Industrie zu sein pflegen. Diejenigen Fähigkeiten aber, die indiesen Zeiten entfaltet werden, sind die kalkulatorisch-organisatorischen.Was gesteigert wird, ist die Verzweiflungsenergie. Die Führung desWirtschaftslebens geht von den großen Eroberern auf die stillen Ordnerüber. Aber gleichzeitig findet eine Musterung unter den Unternehmernund den Unternehmungen statt: nur die Kräftigen bleiben am Leben,alles Morsche, Faule, Schwächliche, das in den Aufschwungszeiten mit-geschwommen war, verschwindet; das Tüchtige, Lebensfähige wird er-halten. _

Daß die Niedergangszeiten die Zeiten namentlich des tech-nischen Fortschritts sind, wird uns durch Zeugnisse sachkundigerMänner ebenso wie durch die Erfahrung bestätigt.

Ein Axiom, pflegte einer der Väter der englischen Baum Wollindustrie,Kennedy, zu sagen, ist es, daß die Verbesserungen in der Produktionnur während eines starken Sinkens des Profits gemacht werden. Ingleichem Sinne äußerte sich einmal der englische Fabrikinspektor A. Red-grave:Wenn das Geschäft gut geht und alle Waren Käufer finden,dann kümmert sich niemand um die Vervollkommnung und Erfindungenneuer Produktionsmaschinen; aber wenn das Geschäft aus irgendwelchenGründen, welche, durch Anstrengungen des Geistes und der Energie be-seitigt werden können, ins Stocken gerät, dann finden Vervollkommnungender Produktion statt. Und der erfolgreichste der lebenden Industriellenmeint:Wenn wir nur klar sehen wollen, so müssen wir erkennen, daßjede Depression auf dem Wirtschaftsmarkte einen Ansporn für den Produ-zenten bedeutet, mehr Gehirn in sein Geschäft zu stecken . . . Jede soge-nannte Geschäftsdepression (kann man) als eine direkte Herausforderungan Geist und Kopf der Geschäftswelt betrachten. H. Ford, Mein Lebenund Werk, 159, 161.

Prüfen wir aber die Produktionsleistungen während der Aufschwungs-und der Niedergangszeit, so kommen wir auf Grund eigenen Urteils zudenselben Ergebnissen, zu denen die Männer der Praxis gelangt sind.

So steigt z. B. die Durchschnittsleistung des französischen Arbeitersin dem Zeitraum von 18571909 während der Niedergangzeiten durch-schnittlich :

im Kohlenbergbau am Tage um 69 kg,im Erzbergbau im Jahre um 113 t,im Hochofenbetrieb im Jahre um 27 t,während sie in den Aufschwungsjahren um bzw. 52404 sinkt. A. Af-talion, der (a. a. 0. S. 138) diese Ziffern mitteilt, führt als Gründe derbesseren Produktionsergebnisse in den Rückgangszeiten richtig an:

(1) die Verringerung der Arbeiterzahl, wodurch eine bessere Ausstattungdes Arbeiters mit Produktionsmitteln möglich ist;

(2) die Verbesserung der Technik und Organisation;

(3) die strengere Auslese der Arbeiter.