624 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtscliaftl. Prozesses i. d. Geschichte
(b) Die Verscblecbterung der Qualität, sei es des Stoffes,sei es seiner Bearbeitung, während Stoff und Art der Herrichtungeinstweilen dieselben bleiben (einfache Qualitätsverschlechterung).
Beispiele: Die Nahrungsmittelverfälschung und alle gewerbliche Schund-produktion.
(c) Die Ersetzung von Stoff und Form durch minder-wertige Surrogate (Surrogierung im engeren Sinne).
Beispiele: (a) Nahrungsmittel: es werden ersetzt:
Kaffee durch Zichorie,
Butter „ Margarine,
Tierfette ,, Pflanzenfette.
(ß) Surrogierung der Stoffe gewerblicher Erzeugnisse. Es werden ersetzt:
Gold.durch Talmi, Tomback;
Silber. ,, Neusilber, Alfenide, Christofle usw.;
Seide. ,, glänzende Mohairwolle, Baumwolle;
Wolle. ,, Baumwolle, Shoddy;
Haarfilz. „ Wollfilz;
Leder. „ Kunstleder, Pappe, Kaliko;
Elfenbein, Horn, Bernstein „ Zelluloid, Gipsmasse u. a.;
Schweinsborsten .... ,, Roßhaare, Kuhschwänze, Fischbein;
Piassava u. a ;
(y) Surrogierung der Formen. Es werden ersetzt:genähte Schuhe.durch genagelte Schuhe;
getriebene oder geschmie- ” gegossene ^
dete Metallwaren ...” § estan R ? e } Metallwaren;
3 , gepreßte y
geschnittene Lederwaren . „ gepreßte Lederwaren;
gewebte Muster. „ gedruckte Muster;
genähte Bücher. „ genietete Bücher.
Vgl. auch Seite 244 f.
Die hier gegebenen Beispiele lassen sich leicht um ein Vielfachesvermehren. Und es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, daß einsehr großer Teil unserer Güterwelt schon heute aus Surrogaten besteht,„Talmi“ ist, auf Täuschung beruht.
Wie sollen wir diese Erscheinung erklären?
Zunächst wohl mit dem Wunsche der ärmeren Bevölkerung, Be-dürfnisse zu befriedigen, zu deren Befriedigung mit echten Dingendie Mittel fehlen: man möchte Fleisch essen, und der Beutel reichtnur zur Ausgabe für Pferdefleisch aus; man möchte Bilder ins Zimmerhängen und kann ke ine Ölbilder oder Kupferstiche bezahlen, man möchtezwei Anzüge haben und hat doch nur die Mittel, einen guten sichanzuschaffen usw.