Neununddreißigstes Kapitel: Die Artbeschaffenheit der Güter 627
ich die Schundware im Laden, so kann ich den Ladeninhaber alsHändler niemals in dem Maße verantwortlich machen, wie ich es tue,wenn der Schuhmachermeister Schmidt oder der Tischlermeister Müllermir als Lieferanten des Schwindelstücks bekannt sind.
Fast ganz verschlossen sind nun aber dem Handwerker die Wegeder Substitution und Surrogierung im engeren Sinne; auch wenn ersich über die eben geäußerten Bedenken hinwegsetzen und jene Wegebeschreiten wollte, so würde er beim ersten Schritte von der über-mächtigen Konkurrenz der kapitalistischen Unternehmung zu Bodengeschleudert werden. Auf dem gesamten Gebiete der Substitutions-und Surrogatindustrien befindet sich nämlich der handwerksmäßigeProduzent in entschiedenem Nachteile gegenüber dem kapitalistischen,sei es bei Bezug der Rohstoffe, sei es beim Produktionsprozesse selbst.
Beispiele: Der Handwerker — Schuster — kann, auch wenn er wollte,Kunstleder nicht wohl verwenden, weil dieses nur bei sehr starkem Drucke,wie ihn die Maschinen ausüben, verarbeitungsfähig ist; die Ersatzmittelfür Hanf und Flachs sind teils so zähe und wenig biegsam, daß sie nurvon der Maschine vorteilhaft verarbeitet werden. Die in der Seifensiedereicingeführten neuen Rohstoffe konnte der Handwerksmeister nicht be-nutzen, weil ihm für die Herstellung der Palmitin- und anderen Säurendie nötigen Einrichtungen und Kenntnisse fehlten usf.
Daß dem aber so ist, daß übereinstimmend in allen den genanntenIndustriezweigen die kapitalistische Produktionsweise sich im Vorteilbefindet, darf nicht wundernehmen. Jene Qualitätsveränderungen,wie sie in der Substituierung und Surrogierung vor sich gehen, sindja doch ausgedacht, ausgeklügelt von vornherein unter dem Ge-sichtswinkel kapitalistischer Interessen. Ob ein neuer Stoffals Ersatzstoff dienen könne, ob ein neues Verfahren die Stelle einesalten einzunehmen geeignet sei, wird doch stets nur mit der still-schweigenden Klausel geprüft: vorausgesetzt, daß die Massenherstellungin kapitalistischer Form profitabel erscheint. Somit bewegt sich auchder Spürsinn der Erfinder von vornherein in einer ganz bestimmtenRichtung. Ihre Erfindung, wissen wir, hat nur Wert für sie, wenn sieeinen Kapitalisten zur Anwendung reizt; sie muß also auf kapitalistischeProduktionsweise zugeschnitten sein.
Aber des für die kapitalistische Entwicklung vielleicht bedeut-samsten Zuges in der Neugestaltung des Güterbedarfes haben wirjetzt erst Erwähnung zu tun, ich meine
5. den zunehmenden Bedarf an gleichförmigen Gütern,die Tendenz zur Uniformierung des Bedarfs.
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