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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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026 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte

es eine bekannte Eigenart der Mode ist, daß sie in dem Augenblick ihrenWert einbüßt, in dem sie in minderwertiger Ausführung nachgeahmtwird, so zwingt diese unausgesetzte Verallgemeinerung einer Neuheit die-jenigen Schichten der Bevölkerung,die etwas auf sich halten, unaus-gesetzt auf Abänderungen ihrer Bedarfsartikel zu sinnen. Es entsteht einwildes Jagen nach ewig neuen Formen, dessen Tempo in dem Maße rascherwird, als Produktions- und Verkehrstechnik sich vervollkommnen. Kaumist in der obersten Schicht der Gesellschaft eine Mode aufgetaucht, so istsie auch schon entwertet dadurch, daß sie die tiefer stehende Schicht zuder ihrigen ebenfalls macht ein ununterbrochener Kreislauf beständigerUmwälzung des Geschmacks, des Konsums, der Produktion.

Mit den letzten Ausführungen habe ich auch schon wieder auf dieGründe hingewiesen, weshalb die Tendenz zur Surrogierung dem Kapi-talismus zugute kommt, weshalb er sie nach Kräften unterstützt(Suggestionskonkurrenz!); es wird dadurch der Kapitalumschlag be-schleunigt. Dazu kommt, daß gerade auch die Produktionstechnikbei der Herstellung von Surrogaten dem kapitalistischen Betriebe,das heißt insonderheit der Herstellung im großen angemessen ist.

Wenn wir die Sinnesart der Surrogierung (im weiteren Sinne)richtig verstehen wollen, so müssen wür uns gegenwärtig halten, daßsie zum großen Teil als eine Waffe des Kapitalismus imKampfe mit dem gewerblichenHandwerk genutzt wordenist; man verlegte die Güterherstellung auf ein Gebiet, auf das derHandwerker nicht zu folgen vermochte.

Schon die einfache Qualitätsverschlechterung verträgt sich nichtmit der innersten Natur des Handwerks. Ich will gar nicht einmalsoviel Wert legen auf die historische Tradition, obwohl auch diesenicht gänzlich außer acht zu lassen ist, daß es der Handwerkerehrezuwider ist, Schundware zu liefern. Ein Handwerker von echtemSchrot und Korn würde eher verhungern, ehe er seine von den Väternüberkommene Produktionsweise im schlimmen Sinne verändern sollte;er mag keine Schleuderware liefern, das paßt sich einfach nicht. Aber,wie gesagt, man braucht die Wirkung des alten Handwerkerstolzesnicht übermäßig hoch zu veranschlagen und kann doch zu dem Ergebniskommen, daß es mit dem Grundsätze handwerksmäßiger Produktionunvereinbar ist, aus der systematischen Qualitätsverschlechterang einGewerbe zu machen. Es ist nämlich in den meisten Fällen diese dochmit einer Täuschung, mindestens einer Überlistung des Publikums ver-bunden. Und dazu bedarf es einer Unpersönlichkeit des Produzenten,wie sie die kapitalistische Organisation leichter mit sich bringt. Kaufe