632 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. Wirtschaft!. Prozesses i. d. Geschichte
Menüs in all den Familien sein würde, deren Glieder an einem Abendim Restaurant essen. Und selbst wenn sie es wäre, so würde doch derGroßbedarf an den einzelnen Bestandteilen der Nahrung, Brot, Fleisch,Kartoffeln, Geflügel, Gemüse usw., den Bezug viel größerer Mengen einerund derselben Ware ermöglichen. Restaurants und Hotels haben aberselbst wieder einen gleichförmigen Bedarf an Ausstattungsgegenständenaller Art: Tische, Stühle, Beleuchtungskörper, Betten, Wäsche usw.
Das alles ist zentralisierter Massenbedarf (siehe Seite 525).
Die beiden bisher betrachteten Entwicklungsreihen ergaben diezunehmende Gleichförmigkeit der Güter als nicht ausdrücklich be-zweckte Begleiterscheinung anderer Bestrebungen. Nun müssen wiraber feststellen, daß diese Uniformierung zum nicht geringen Teile
(c) die Folge des bewußten Willens zur Gleichförmig-keit ist.
Dieser Wille zur Gleichförmigkeit, der aller vorkapitalistischenKultur fremd ist, gelangt in Europa zur ersten Betätigung in demBestreben der modernen Staaten, in ihren Heeren Zucht und Ord-nung zu schaffen („Uniform“!) und sie mit wirksamen Waffen aus-zustatten (Kaliber!). (Vgl. meine ausführliche Darstellung in „Kriegund Kapitalismus “.)
Eine ganz moderne Form, in der vom Staate jetzt wieder eine Ein-wirkung auf die Gleichförmigkeit der Erzeugung ausgeübt wird, ist dieSchaffung von einheitlichen Lieferungsve"trägen in den Vereinigten Staaten ,eine Schöpfung H. C. Hoovers. „Aus dem Bedürfnis der verschiedenenRegierungsstellen heraus, die Material zu beschaffen und Arbeiten zu ver-geben hatten, erstand zuerst das Bureau of the Budget. Es sollte prüfen,ob eine Zusammenfi ssung und Vereinfachung der Regierungsausgabenmöglich wäre. Das führte dazu, gewisse immer wiederkehrende Materialienzentral zu beschaffen. Dazu waren einheitliche Lieferungsbedingungen— specifications — notwendig. So gliederte Hoover seinem Ministeriumdas ,Bureau of Specifications’ an.“ Jetzt bedient auch die Privatindustriesich dieser staatlichen Lieferungsformulare. Vgl. C. Koettgen a. a. 0.Seite 54.
Aber erst im 19. Jahrhundert entsteht außerhalb des Bereichesdieser rationalen Staatszwecke auch in der Bevölkerung ein solcherWille zur Gleichförmigkeit in der Bedarfsgestaltung. Vor allem imAngelsachsentum, wo er namentlich in der Kleidung eine so weit-gehende Übereinstimmung der Formen erzielt, daß man von einer„Uniform“ sprechen kann. Man hat wohl nicht mit Unrecht gesagt,daß die strenge Zucht, die sich der Angelsachse in seiner Kleiderformauferlegt und deren Durchbrechung (etwa den Strohhut in Neuyork