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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Neununddreißigstes Kapitel: Die Artbeschaffenheit der Güter (333

nach dem 15. September zu tragen) mit gesellschaftlicher Ächtungbestraft wird, ihm die staatliche Disziplinierung ersetzt, deren sichandere Länder erfreuten. Oder steckt im Angelsachsen ein besondererTrieb zur Gleichförmigkeit? Tatsache ist jedenfalls, daß sie sichauf allen Gebieten betätigt; zwölf Bücher über Betriebswirtschafts-lehre gleichen jedes dem andern ebenso genau wie zwölf Gibson-Girlsoder zwölf Yazzbandstücke.

Erinnern wollen wir uns, daß dieser Wille zur Gleichförmigkeit derBedarfsgestaltung beim einzelnen Verzehrer sehr wesentlich versteiftwird durch seine Abhängigkeit von der Mode, und daß diese vonihr bewirkte Vereinheitlichung der Bedarfsgestaltung die andere nebender ersten, mehr in die Augen springende Aufgabe, Wechselhaftigkeitzu erzeugen, häufig vergessene Funktion im Organismus der kapi-talistischen Wirtschaft ist.

Denken wir uns eine Bedarfsgestaltung, die von der Mode un-abhängig wäre, so würde die Nutzungsdauer für den einzelnen Ge-brauchsgegenstand vermutlich länger, die Mannigfaltigkeit der einzelnenGebrauchsgüter hingegen wahrscheinlich erheblich größer sein.

Was in allen diesen Fällen den Wunsch nach Gleichförmigkeit derGüter erzeugt, mag dahingestellt bleiben. Wahrscheinlich ist starkdabei beteiligt das Streben des in der aufgelösten Gesellschaft ver-einzelten und verwaisten Individuums nach irgendwelcher, wenn auchnoch so äußerlicher Gemeinschaftsbildung, sein Bedürfnis, in die Masseunterzutauchen, zu verschwinden, sich zu verbergen, um nur nichtals ewig Vereinsamter durchs Leben gehen zu müssen. Die Bindung,die die alten Verbände von innen heraus ihm gewährten, sieht er unbewußtim Äußerlichen.

Ganz davon verschieden ist das Bedürfnis einiger Idealisten nachGleichförmigkeit der Güterwelt, die wähnen, auf diesem Wege wiederumzu einemStil gelangen zu können, der ja im Verlauf der kapi-talistischen Entwicklung abhanden gekommen ist. Als ob ein Stil,der nur aus Einheitsgeist entspringen kann, durch irgendwelche Äußer-lichkeit, wie es die Gleichgestaltung der Gebrauchsgüter ist, künstlicherzeugt werden könnte! Immerhin wird die Tendenz zur Uniformierungunserer Güterwelt auch durch diese absonderlichen Stilsucher verstärkt.

Aber die Gleichförmigkeit unserer Güterwelt wäre wahrscheinlichnicht annähernd so groß als sie in Wirklichkeit ist, wenn nicht dieUnternehmer, die an ihr das größte Interesse haben, von sich aussie gefördert hätten.