662 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte
Diese Vorteile — oder richtiger: die Nachteile des alten Hand-kaufs — machten sich um so fühlbarer, je mehr der Warenumsatzsein neuzeitliches Gepräge annahm, das heißt:
(1.) der Umfang der gehandelten Waren zunahm;
(2.) die Entfernung zwischen Erzeugungsort und Verwendungsortwuchs;
(3.) der spezifische Wert der umgesetzten Waren sank.
Ermöglicht aber wurde die Verallgemeinerung des Fernkaufsdurch die Vervollkommnung, die die Produktions- und Transport-technik, sowie die Verkehrsorganisation im 19. Jahrhundert erfahrenhaben. Dadurch wurde eine Reihe von Bedingungen erfüllt, ohne dieder Fernkauf gar nicht oder nur schwer ausführbar ist. Diese Be-dingungen sind folgende:
(1.) die Übersichtlichkeit des Marktes: siehe das ganze vorigeKapitel;
(2.) die Leichtigkeit der Verständigung: briefliche, telegraphische,telephonische Beorderung; Versendung von Proben, Geschäftsanzeigen,Katalogen usw.;
(3.) die Sicherheit der Ausführung in der Produktion: nach Menge,Beschaffenheit, Zeit;
(4.) die Sicherheit der Ausführung im Transport: Exaktheit derFahrten; Leichtigkeit des Versands von Stückgütern, von Paketen usw.;
(5.) die Sicherheit der Kalkulation für Produktion und Transport;
(6.) die Massenhaftigkeit der Waren: Ermöglichung des (subjektiven)Blankoverkaufs u. dgl. m.
Nun bleibt aber der Prozeß der Versachlichung, dem die Handels-geschäftsformen unterliegen, beim Fernkauf, wie wir ihn bisher kennengelernt haben, nicht stehen; die Entwicklung schreitet fort, die Ver-sachlichung wird vollständig durch eine Reihe von Neubildungen, diewir nunmehr noch kennen lernen müssen. Diese sind:
1. Das generelle Lieferungsgeschäft. Dieses entsteht ausdem individuellen Lieferungsgeschäft durch Verwandlung der Probenin Typen oder Standards. Während die Probe eine bestimmte Waren-partie vertreten hatte, vertritt die Type eine Gattung gleichförmigerWaren, deren einzelne Stücke oder Mengen untereinander vertretbarsind. Solche gleichförmigen Waren sind die meisten Rohstoffe undzahlreiche Halbfabrikate des Welthandels geworden, deren Gattungs-eigenschaften nunmehr durch Interessengruppen („Börsen“: sieheoben Seite 643) oder durch den Handelsgebrauch festgestellt und inden Gattungsproben (Typen) ausgedrückt werden können.