674 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte
duktions oder Transportbetriebe sie erzwungen; eine Eisenbahn, einePost, ein Warenhaus, ein Fordwerk, eine Gasanstalt können gar nichtanders als mittels dieser Schematisierung der Preisbildung bestehen.Diese trat deshalb teilweise mit dem Beginne des Betriebes automatischin Kraft, teilweise wuchs sie aus diesem hervor, in dem Maße, wie ersich ausdehnte.
Teilweise mußte erst eine ganze Reihe von Bedingungen erfülltwerden, damit die Preisbildung schematisiert werde, damit insbesondereder Tarif entstehen konnte.
Wir besitzen eine besonders gehaltvolle Untersuchung über die Ge-schichte des Seefrachttarif Wesens, in der diese Entwicklung vorzüglich dar-gestellt ist. Danach geht die Schematisierung des Seefrachtwesens auffolgende Gründe zurück:
1. das Aufkommen vertretbarer Beförderungsleistungen, also die „Ver-sachlichung“ der Transportbedingungen. Früher war alles beim Schiffs-verkehr individuell verschieden: die Bauart des Schiffes, der Grad seinerSeetüchtigkeit, die Vertrauenswürdigkeit des Kapitäns und der Mann-schaft. Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, insbesondere durch dieEntwicklung der Schiffsbautechnik kommt Einheitlichkeit in diese Dinge;
2. das Aufkommen eines regelmäßigen, aus großen Mengen von Einzel-sendungen bestehenden Güterverkehrs sowie des Personenverkehrs;
3. das Aufkommen der Linienschiffahrt. Diese selbst, deren Anfängein das 17. Jahrhundert fallen (wie ich das im zweiten Bande nachgewiesenhabe), bleibt bis in die 1860er Jahre sehr unbedeutend und auf wenige euro-päische Häfen, London, Liverpool, Le Havre, Antwerpen, Rotterdam, Amster-dam, Bremen, Hamburg, beschränkt. Sie dehnt sich aus in dem Maße, wiesich folgende Bedingungen erfüllen: a) Entwicklung des Stückgutverkehrs,b) Ausdehnung des Personenverkehrs, c) Ersetzung des Seglers durch denDampfer, der allein die Gewähr der Pünktlichkeit bietet. Kartellierungund Vertrustung helfen nach.
Erst mit dem Vordringen des Tarifs auch im Seeverkehr oder, wie dieEngländer sehr bezeichnend sagen, des Systems of uniform rates, das andie Stelle der „freien Preisbildung“ tritt (die noch heute beim Charternganzer Schiffe die Regel bildet), wird den Anforderungen der BeteiligtenGenüge getan; es werden herbeigeführt gleichmäßige Behandlung, Öffent-lichkeit, Stetigkeit, Einfachheit, Klarheit, Übersichtlichkeit, Wohlfeilheit.Vor allem bietet der feste Tarif die Vorteile der genauen Kalkulation unddes Abschlusses von Verträgen auf lange Zeit. Kurt Giese, a. a. 0.Seite 44ff, 108, 114f., 130ff.
3. Die Nivellierung (Ausgleichung) der Warenpreise ist ebenfallsin weitem Umfange während der hochkapitalistischen Periode nachallen drei Seiten hin, nach denen sie eintreten kann, vollzogen worden.
a) In persönlicher Hinsicht gelten besondere Umstände wedermehr beim Produzenten (Verkäufer) noch beim Kunden (Käufer).