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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Zweinndvierzigstes Kapitel: Die Rationalisierung der Preisbildung 673

veränderlich feststellt, so daß irgendwelche Preisvereinbarungen oderPreisverabredungen ausgeschlossen sind.

Das ist nun überall dort der Fall, wo der Unternehmer ein-seitig den Preis festsetzt und nichtmit sich handeln läßt. Also,man kann sagen, heute fast durchgängig im Verkehr zwischen Geschäfts-leuten und im Verkehr mit letzten Konsumenten, wofeste Preisebestehen, die der Detailhändler bestimmt, oder woMarkenartikel ver-kauft werden, deren Preise über den Kopf des Detaillisten hinwegder Produzent vorschreibt. Diefesten Preise im Geschäftsverkehrsind wohl eine Folgeerscheinung des Fernkaufes, während sie im Detail-handel sich selbständig im Laufe des 19. Jahrhunderts durchgesetzthaben. Uber ihre vermutlichen Anfänge gegen das Ende des 18. Jahr-hunderts habe ich im zweiten Bande berichtet. Sie bürgern sich dannlangsam, scheinbar zuerst in England , ein und werden während desletzten Menschenalters, nicht zuletzt unter dem Einfluß der Waren-häuser, eine fast allgemeine Einrichtung.

In den früheren Auflagen des Roscherschen Lehrbuchs (Bd. I, § 115)findet sich noch folgende Bemerkung:Im heutigen England ist dieSitte weit verbreitet, daß die Kleinhändler auf jede Ware den Preisschreiben. Über die Schnelligkeit und Wortkargheit der Preisverhand-lungen im dortigen Großverkehr, wo man nicht einmal mehr grüßt (Ent-persönlichung! W. S.), siehe C. G. Simon, Observations recueillies enAngleterre. 1 (1835), 129 f.

Einen weiteren Schritt der Entfernung der Preisbildung aus demBereiche der Vertragschließenden bedeutet die Festsetzung einesPreises seitens eines Verbandes von Unternehmern; der Ver-bandpreis wird nicht nur über die Köpfe der Käufer, sondern auch überdie Köpfe der (einzelnen) Verkäufer hinweg bestimmt.

Hierher gehört dann auch der Tarif, das ist die Festsetzung einesPreises für eine gegebenenfalls später auszuführende Leistung. DerTarif hat, aus naheliegenden Gründen, sein hauptsächlichstes An-wendungsgebiet in den Transportgewerben, gewinnt aber auch für dieErzeugung von Gütern immer mehr an Bedeutung. Man denke an dieVersorgung mit Wasser, Elektrizität, Gas in den Großstädten, an diePreisbildung bei Badeanstalten, Wäschereien, Theatern, Ausstellungen.

An der Entwicklung des Tarifwesens können wir am deutlichstenden Sinn und die Bedeutung dieser Bewegung zur Schematisierungder Preisbildung erkennen. Wir begreifen, daß das Bedürfnis nach Ver-einfachung und Abkürzung der Vertragschließung sie erzeugt hat.In manchen Fällen hat die bloße Vergrößerung der einzelnen Pro-