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Vierundvierzigstes Kapitel
Die Bindung des Marktes
Der Rationalisierungsprozeß führt an einem bestimmten Punktezur Aufhebung der freien Betätigung auf dem Markte. Dieser erfährtpi n e Bindung“, die Willkür der einzelnen Wirtschaften wird beseitigt,nicht durch Eingriffe von außen her, sondern durch Verabredungenzwischen den Marktteilnehmern selbst, die sich damit aus eigenerMachtvollkommenheit ihrer wirtschaftlichen Freiheit begeben. DieseBindungen wachsen durchaus aus dem Geiste des kapitalistischen Wirtschaftssystems heraus, dessen Wesenheit, wie wir sehen werden,sie erst zur vollen Entfaltung bringen, und sind nicht zu verwechselnmit den Bindungen, die dem Kapitalismus von höheren Mächten — wieetwa dem Staate — auf erlegt werden und die berufen sind, das innereWesen dieses Wirtschaftssystems zu verändern, weil sie seinem GeisteBestandteile eines fremden Geistes beimischen.
Wir verfolgen diese Vorgänge auf den drei verschiedenen Märkten.Dabei werden wir als Leitfaden, der uns durch die Fülle der Tatsachenhindurchführen soll, die theoretischen Feststellungen benutzen können,die wir im 32. Kapitel über „die künstliche Beeinflussung des Marktes“gemacht haben.
1. Der KapitalmarktHier ist nicht allzuviel zu berichten.
Die Bestrebungen zur vorübergehenden Bindung — Corners,Hinge — haben keine Geschichte. Sie würden uns aber auch nichtinteressieren, wenn sie eine hätten, da sie für den Verlauf des Wirt-schaftslebens im großen ohne Bedeutung sind: sie betreffen fast aus-schließlich die Spekulation in Rentenfonds („negativem“ Kapital)und kommen höchstens als Hemmungen der kapitalistischen Ent-wicklung in Betracht.
Auch die Geschichte jener „Spekulationsgesellschaften“, die einedauernde Beherrschung des Kapitalmarktes bezwecken, und die nachArt der alten Räuberbanden auf systematische Plünderung ausgehen,wie etwa die sogenannte „andere“ Standard Oil Company, deren