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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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688 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. Wirtschaft! Prozesses i. d. Geschichte

nachgegangen bin, die die ungeheure Entfaltung der wirtschaftlichenEnergie, wie sie dem Zeitalter des Hochkapitalismus eignet, bewirkthaben. Unter diesen Gründen lernten wir die anstachelnde Wirkungkennen, die von der Gewerkschaftsbewegung ausgeht. Seit durch sie dieAnsprüche des Arbeiters gesteigert werden, sieht sich der Unternehmergezwungen, auf Mittel und Wege zu sinnen, wie er die Leistungsfähigkeitdes Arbeiters steigern könne. Die Gewerkschaften erzwingen geradezu(nicht überall, aber häufig genug) den Übergang zu vollkommenerOrganisation der Betriebe und Verbesserung der technischen Verfahren.

Auf der anderen Seite haben die Gewerkschaften vielfach erst denArbeiter zu den Leistungen fähig gemacht, die er vollbracht hat. Siewaren es, die ihn mit kapitalistischem Geiste erfüllt, die aus demtriebhaften Faulenzer den rechnenden, erwerbenden Economical Mangemacht, die ihn zu systematischer Arbeit erzogen haben. Jedenfallshaben sie zu jenem technischen Anpassungsprozeß, den der Arbeiterdurchmachen mußte, imd der eine der notwendigen Voraussetzungenkapitalistischer Wirtschaft war, wie ich im sechsundzwanzigstenKapitel glaube nachgewiesen zu haben, ihr gutes Teil beigetragen.

Aber auch auf die Gestaltung des kapitalistischen Prozesses selbsthaben die Gewerkschaften fördernd eingewirkt.

Machen wir uns klar, daß die notwendige Bedingung für das Zu-standekommen des kollektiven Arbeitsvertrags eine starke Arbeiter-organisation ist, die über die Innehaltung des Vertrages wacht. Allesalso, was wir an der Versachlichung des Arbeitsverhältnisses unddamit an der Einführung einer dem Kapitalismus angemessenen Arbeits-verfassung zu loben wußten, müssen wir dem Konto der Gewerkschaftengutschreiben.

Diese sind es aber nachweislich auch gewesen, die die mit demTarifvertrag notwendig verbundene Form des Akkordlohns , also wieder-um die dem Kapitalismus angemessene Lohnform, vielfach gegen diedoktrinäre und instinktive Gegnerschaft der Arbeiter zur Anerkennung ge-bracht haben. Weil durch den Tarifvertrag die Akkordarbeitaus einereinseitigen, willkürlichen Festsetzung zu einer paritätischen Lohnregelunggeworden ist (Cassau), haben die organisierten Arbeiter schließlichihren grundsätzlichen Widerstand gegen diese Lohnform aufgegeben.

Endlich ist erst durch die Fortschritte der Gewerkschaftsbewegungdie Stetigkeit des wirtschaftlichen Prozesses gewährleistet worden,die im Interesse des Kapitalismus liegt: die Unterbrechung durchStreikes, die ohne gewerkschaftliche Organisationwdlde Streiks