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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Vierundvierzigstes Kapitel: Die Bindung des Marktes 687

eigentümliche Zug, daß sie über die Festsetzung von Konditionennicht hinausgekommen sind. Man hat aber mit Recht gesagt, daß,nachdem man sich in bezug auf die Konditionen gebunden habe, mannun erst recht in einen Konkurrenzkampf um die Kundschaft eingetretensei. Eine wirkliche Bindung des Kapitalmarktes hat es also wohl bishernicht gegeben. Auch der amerikanische sogenannte Money Trust, derzum Gegenstand einer eingehenden Untersuchung gemacht worden ist(1912), hat sich nicht als ein Kartell, sondern allenfalls als ein Konzernerwiesen. Ein ganz anderes Problem als das derBindung des Marktesist dessen Beherrschung etwa durch mächtige Kapitalgruppen. Davonwird in einem anderen Zusammenhänge noch die Rede sein (siehe daseinundfünfzigste Kapitel unter VI.).

II. Der Arbeitsmarkt

1. Eine Bindung des Arbeitsmarktes erfolgt, wie wir von unserentheoretischen Besinnungen her wissen, durch die gewerkschaftlicheArbeiterorganisation.

Gehört ihre Darstellung hierher?

Wenn wir nur den Bindungen nachspüren wollen, die der Marktin irgendeinem seiner Bereiche erfährt, ganz gewiß. Worin sollte sichdie Gewerkschaftsbewegung in dieser Hinsicht von der Kartellbewegungunterscheiden ?

Liegt uns aber eine Berücksichtigung der Gewerkschaftsbewegungauch dann ob, wenn wir die gesamte Neugestaltung der Marktverhält-nisse unter dem Gesichtspunkte der Rationalisierung im kapitalistischen Sinne betrachten? Ja auch dann. Natürlich bedeutet die Bindungdes Arbeitsmarktes durch die Gewerkschaften keine Rationalisierungin dem Verstände, daß der Kapitalismus sie wie so viele andereerstrebt habe. Wohl aber in dem Sinne, daß sie objektiv rationellfür ihn gewesen ist. Sie hat ganz ohne Zweifel letzten Endes den Inter-essen des Kapitalismus in sehr beträchtlichem Umfange gedient. Ja,dieser wäre ohne die Gewerkschaftsbewegung ebensowenig wie ohne dieKartellbewegung zu voller Entfaltung seines Wesens gelangt. Das aus-gebildete kapitalistische Wirtschaftssystem hat diese beiden Entwick-lungsreihen, Gewerkschaften und Kartelle, als notwendige Bestandteile.

Diese Rationalität der Gewerkschaftsbewegung wird mit ein paarWorten auf gewiesen werden müssen.

Was die Gewerkschaften zur Förderung des kapitalistischen Wesens auf Umwegen beigetragen haben, habe ich in einem anderenZusammenhänge schon einmal ausgeführt: dort, wo ich den Gründen

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