698 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte
c) die Rationalisierung der Betriebsgestaltung.
Daß die Kartelle diese Wirkung ausüben, ist allerdings von frei“-händlerischer und — auffallenderweise! — auch von sozialistischerSeite bestritten worden.
So von niemand geringerem als Kautsky . Dieser meinte: Durch Kar-telle und Truste „wurde ein mächtiger Antrieb auf Vermehrung der Produk-tivität der Arbeit zum großen Teil ausgeschaltet. . Je weiter das Kartell-wesen sich entwickelt und ausdehnt, desto deutlicher bezeugt es, daß diekapitalistische Produktionsweise jene Phase überschritten hat, in der siedas mächtigste Mittel zur Entfaltung der Produktivkräfte wurde, daß sieimmer mehr zum Hindernis dieser Entfaltung wird. . wie das Eldoradoder Truste, Amerika , deutlich beweist (?) . . Seit den 1880er Jahren wirddie ökonomische Situation geschaffen, „die den Kapitalismus aus einemMittel, die höchste Produktivität zu entfalten, immer mehr in ein Mittelverwandelt, dessen Entfaltung zu hemmen“. Sozialismus und Kolonial-politik (1907), 36f., 65.
Daß diese Ansicht irrig ist, lehrt schon die Überlegung: Nachdemdem einzelnen Werke bestimmte Beschränkungen auferlegt sind, nach-dem es behindert ist, seinen Absatz beliebig auszudehnen, die Preisenach Belieben festzusetzen, spekulative Gewinne durch Ausnutzungder Marktlage zu machen usw., muß es doch — wenn es bei seinemStreben nach dem höchsten Gewinn beharren will, und das tut es dochwohl — all sein Sinnen und Trachten gerade auf die Rationalisierungdes Betriebes, das heißt auf eine Steigerung der Produktivität, derIntensität und der Ökonomität richten. Daß aber diese Erwägungrichtig ist, bestätigt die Erfahrung. Diese lehrt, daß durch die Kartell-bildung verstärkt werden:
a) die Tendenz zu besserer Außenorganisation, das heißt zu bessererAbgrenzung der Betriebe: zu Konzentration und Kombination.
Die Konzentration wird nachweislich befördert durch die Quoten-politik der Kartelle. Die Beteiligungsziffern werden hoch bemessen; damitwird ein Anreiz geschaffen, in diese Beteiligungsziffern hineinzuwachsen,um die in den Beteiligungsziffern enthaltenen Renten auch ganz aus-zunützen.
Zur Kombination sind durch die Kartelle viele Werke gedrängt worden,gerade um dem Einfluß der Kartelle zu entgehen. Wenn ein Hochofen eineKohlenzeche erwirbt, entzieht er diese den einschränkenden Bestimmungendes Kohlensyndikats; wenn ein Walzwerk sich ein Stahlwerk angliedert,macht es dieses von den Bindungen des Stahlwerksverbandes frei usw.Die Komhinationshewegung werden wir in anderem Zusammenhängegenauer verfolgen. Dort werden wir auch ihre mannigfaltigen Gründekennenlernen, die natürlich zum größten Teil ganz außerhalb aller Beziehungzu der Kartellbildung liegen. Fragt sich nur, ob diese nicht auch eine