Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
15
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Non dem Leben und den Werken des Plmitus. 16

seine hin und wieder angebrachten frostigen und unhöflichenScherze. Vielleicht könnte man ihm auch manchmal Recht ge-ben, wenn er sich nur nicht so gar unbestimmt erklärt hätte;wenn es nur nicht schiene, er habe alle Ncrsc des Plautus vorschlechte Verse nnd alle Scherze vor ungesittete Scherze gehalten.Gleichwohl kann ich mir nimmermehr einbilden, daß Horaz mitder Vertheidigung des Hcinsius zufrieden seyn sollte, wenn ersie lesen könnte. Er verwirft darinnc überhaupt die ganzeSchreibart des Plautus, er behauptet, sie sey, außer dem Schau-plätze, unbrauchbar, indem er nur das Lächerliche auszudruckengesucht hätte. Er giebt ihm übrigens unzählichc Fehler so wohlwider die Wahrscheinlichkeit, wider die Einheit des Orts undder Zeit, als auch wider das Sittliche der Lustspiele, Schuld.Wenn man aber seine Vorwürfe prüfet, so hat er oft denPlautus nicht verstanden, oft auch ganz falsche Begriffe vonder Eomödic gehabt. Das Billigste bey dieser Streitigkeit ist,daß man den Plautus nicht allzu unbchutsam, auf Unkosten desHorazcs, erhebt, noch auch dem Horaz, auf Unkosten des Plau-tus, völlig bcyfällt. Niemand ist gründlicher dabey verfahren,als die Frau Dacicr, diese macht in der Vorrede zu ihrer Uebcr-sctzung einiger plautinischcn Lustspiele, drey Anmerkungen, welchedas Urtheil des Flaccus theils erklären, theils lindern. Erstlich,sagt sie, muß man crwcgcn, daß, als Plautus anfing seineStücke zu verfertigen, das römische Volk noch an die Satyrcn,welche vorher den Schauplatz besessen hatten, gewöhnt war.Diese Satyrcn waren zwar ein regelmäßiges Gedichte, aber eshatte noch so viel rauhes von seinem Ursprünge behalten, sowohl was die Scherze als die Einrichtung selbst anbelangte, daßes freylich, in einem so wenig artigen Jahrhunderte, noch sehrhart seyn mußte. Plautus war also gcnöthigct, seinen Stü-cken Beyfall zu verschaffen, einen Theil von diesen Scherzenbeyzubehalten. Dieses war an ihm um so viel erträglicher, jeweniger er sich dadurch von der alten gricchischcn Comödie, dieer nachzuahmen sich vorgesetzt hatte, entfernte, oum andernmachen die Verse und die Scherze so wenig das Wesen derLustspiele aus, daß ein Dichter ein vortrefflicher Comicus seynkann, ob er gleich harte Ncrsc und einige schlimme Späße hat.