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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Fünfundvierzigstes Kapitel: Die Stabilisierung der Konjunktur 707II. Gründe

Wir werden die im vorstehenden festgestellten Tatsachen am bestenverstehen, wenn wir uns zunächst die Gründe vergegenwärtigen, dieauf eine Stabilisierung der Konjunktur hinwirken, und dann diejenigenGründe daneben stellen, die eine solche in den Vereinigten Staaten bisher aufgehalten haben. Bei diesem Verfahren wird uns auch ver-ständlich werden, warum die einzelnen Länder Europas eine ver-schieden starke Neigung zur Stabilisierung aufzuweisen haben.

Was zur Stabilisierung der Konjunktur führt, ist zu einem gutenTeile derjenige Prozeß, den wir in diesem Unterabschnitte auf allenGebieten des Marktverkehrs verfolgt haben: die Rationalisierung. Alsokommen in Betracht:

1. die zunehmende Einsicht in die Zusammenhänge des Marktes,die auch ohne die Errichtung derökonomischen Wetterwarten Fort-schritte genug gemacht hatte, um Einfluß auf die Konjunktur auszu-üben;

2. bestimmte Vorgänge in der Umlaufssphäre, als da sind:

a) die rationelle Gestaltung des Geld- und Zahlungswesens: dieFestigung der Währimg und die Ausdehnung des bargeldlosen Ver-kehrs (der Störungen durch Geldknappheit vermindert). Diesen hatAmerika zwar stark entwickelt; seine Währung ist aber doch erst 1914stabilisiert worden;

b) die rationelle Gestaltung des Notenbankwesens, eine besonneneDiskontpolitik der Zentralbanken: fehlte in Amerika bis 1914;

c) die rationelle Gestaltung des privaten Bankwesens.

Hier hat wohl das zaghaftere Bankwesen Englands in der Richtungeiner früheren Stabilisierung gewirkt, während ganz allgemein in Europa die starke Konzentration im Bankgewerbe Sicherheitsfaktoren ge-schaffen hat. 1

Im großen ganzen wird man sagen können, daß früher in England als in Deutschand, früher in Europa als in Amerika an Stelle chaotischerGestaltung der Kreditbeziehungen ... bewußte Regelung durch öko-nomisch geschulten Willen (H. v. Beckerath) getreten ist, und daßdieser Wandel sehr wesentlich zur Verringerung der Krisengefahr unddamit zu einer Stabilisierung der Konjunktur beigetragen hat.

Es haben aber in derselben Richtung gewirkt:

3. Gründe auf der Produktionsseite. Solche sind:

a) die Umgestaltung der Produktionsbedingungen, wodurch auto-matisch die Ausschläge verkleinert werdeD.

Sombart , Itochkapitalisrinis II.

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