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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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738 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. Wirtschaft!. Prozesses i. d. Geschichte

die herrschen, und es ist eine Personenfrage, wie im öffentlichenLeben auch, wo dieser Eine oder diese wenigen sitzen, ob unter denGroßaktionären oder im Vorstande oder im Aufsichtsrate, deren Mit-glieder übrigens häufig auch Großaktionäre sind.

Worauf es ankommt, ist dieses, daß die Form der Aktiengesell-schaft sich besonders dazu eignet, die willensstarken und begabtenUnternehmernaturen zur Herrschaft zu bringen.

Wenn nun aber auch die Leiter das sind eben die Unternehmerauf die Regierungsfähigkeit des in der Generalversammlung dargestellten,zersplitterten, nichtorganisierten, mit den Betriebsnotwendigkeitennicht vertrauten, meist indifferenten souveränen Volkes rechnen können,so bleibt doch immer die (rechtliche) Notwendigkeit bestehen (wasfrüher übrigens nicht immer der Fall war), eine Mehrheit zubilden.

Diesem Zwecke dient eine ganze Menge von Maßregeln, die sichim Laufe der Zeit ausgebildet haben. Ich führe die wichtigsten auf:

(1.) eigener Aktienbesitz, wovon schon die Rede war;

(2.) Lombardierung der Aktien und Verfügung über diese;

(3.) Terminkäufe von Aktien;

(4.) Schaffung eines Stammes zuverlässiger Aktionäre, z. B. in denAngestellten;

(5.) Gewinnung einer Anzahl von Aktionären durch Überredung;

(6.) formelle Übertragung der Stimmen, z. B. der bei den Bankenhinterlegten Aktien an die Depositare.

Bei allen diesen Mitteln fehlt aber die schlechthinnige Sicherheit.Solche wird durch eine Reihe von Systemen erzielt, die bisher vorallem in den Vereinigten Staaten zur Ausbildung und Anwendung ge-langt sind, jetzt aber auch in Europa rasch an Verbreitung gewinnen.Da kommen in Betracht:

(7.) die Ausgabe vieler nicht stimmberechtigter Anteile in Gestaltvonstimmlosen Genußscheinen, Obligationen, Bonds. Auf dieseFunktion der Schuldverschreibungen in der Ökonomie der Aktien-gesellschaften wurde oben schon hingewiesen. Natürlich verschlägtdieses Mittel nur, wenn das Anteilverhältnis des Obligationenkapitalsweit über den oben angegebenen Durchschnitt hinausgeht. Das trifftaber bei mancher amerikanischen Gesellschaft in der Tat zu. So hatteder amerikanische Tabaktrust 214,7 Millionen Dollar nichtstimm-berechtigtes neben nur 40 Millionen Dollar stimmberechtigtemKapital; die Deutschamerikanische Petroleumgesellschaft neben 20