754 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. Wirtschaft. Prozesses i. d. Geschichte
dem industriellen Kunden werden zu einer Einheit, deren Wesen wenigerdurch die einzelnen Geschäfte als durch die Person des Kunden be-stimmt wird, woraus sich die enge Verbindung zwischen Banken undIndustrie ohne weiteres ergibt.“ (J e i d e 1 s.)
Die Symbiose, die solcherweise zwischen diesen beiden entsteht, fi n detihren Ausdruck in der persönlichen oder sachlichen Verflechtung derGesellschaften, wie ich sie im vorigen Kapitel dargestellt habe.
Man hat diese Beziehungen zwischen Banken und Industrieunter-nehmungen wohl als ein Herrschaftsverhältnis bezeichnet, in dem dieBanken sich die Produktionsunternehmungen unterwerfen, und hat voneiner „Verbankung“ der Industrie, von einem „Primat des Finanz-kapitals“ gesprochen. Das ist falsch. Man könnte ebensogut von einerBeherrschung der Banken durch die Industrie reden. Jeder Fall liegtanders. Das eine Mal wird sich ein Übergewicht der Bank, ein anderesMal ein Übergewicht der Industrieunternehmung ergeben. W e r imeinzelnen Falle herrscht, entscheiden ebensosehr sachliche wie persön-liche Gründe. Von bestimmendem Einfluß ist das Entwicklungsstadiumder Wirtschaft; je später eine Industrie sich entwickelt, desto leichterkommt sie unter die Botmäßigkeit der Banken (Ungarn! ). Ganz all-gemein läßt sich sagen: Geben bei einem Geschäft kaufmännisch-tech-nische Erwägungen den Ausschlag, so wird der Industrielle, bei Finanz-fragen hingegen wird der Bankmann entscheiden. Und immer ist es imZweifelsfalle die stärkere Persönlichkeit, die die Herrschaft ausübenwird.
2. Die Finanzierung des Baugewerbesist so eigenartig und so verwickelt, daß es sich empfiehlt, sie gesondertim Zusammenhänge darzustellen.
Die Kevolutionierung des Baugewerbes ist auf das engste verknüpftmit dem Vordringen des Spekulationsbaues, das heißtdes nicht mehr auf Bestellung, sondern als Ware für den Markt produ-zierten Baues. Die marktmäßige Häuserproduktion nimmt ihren An-fang, wiewir gesehenhaben, inEngland nach den Napoleonischen Kriegen,in Frankreich seit der Julirevolution, in Deutschland seit der Mitte des19. Jahrhunderts. Die Eigenart der marktmäßigen Häuserproduktionliegt nun vor allem darin, daß sie fast stets im unmittelbaren Zu-sammenhänge mit der Baugrundspekulation steht, das heißt, daß einGewinn meist nicht nur aus der Bautätigkeit allein, sondern gleich-zeitig auch aus der Verwertung spekulativ erworbener Grundstückeerstrebt wird. Diese Doppelnatur der Häuserspekulation bringt es nun