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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Achtundvierzigstes Kapitel: Die Finanzierung fremder Wirtschaften 755

aber mit sich, daß das Geld in das Baugewerbe von zwei ganz verschie-denen Seiten her eindringt; einmal nämlich von der Seite der Häuser-produzenten, sodann von der Seite der Baugrundbesitzer her. Dortwird die Vornahme des Häuserbaues kapitalistisch umgestaltet, dieVerwertung des Kapitals in der kapitalistischen Gestaltung der Pro-duktion angestrebt, was zur Entwicklung des großen Baugeschäftes,der kapitalistischen Bauunternehmung im strengen Sinne des Wortesführt.

Wenn das Kapital von der Baugrundspekulation seinen Ausgangs-punkt nimmt, so sind wiederum zwei Fälle der V erwertung in der Pro-duktionssphäre möglich: entweder nämlich das Kapital baut in eigenerRegie, das heißt beschäftigt im eigenen, direkten Aufträge die Bau-arbeiter sei es wiederum ein großes Baugeschäft, sei es die einzelnenBauhandwerke, oder es 1 ä ß t bauen. In diesem letzten Falle erscheintein formell selbständigerBauunternehmer als Bauleiter auf der Bild-fläche, der aber in Wirklichkeit meistens nichts anderes als ein Stroh-mann ist, den das Kapital vorschiebt, um sein eigenes Risiko so vielals möglich zu verringern. Diese Kreatur will ichZwischenunter-nehmer nennen.

Es ist nun eine häufig wiederkehrende Erscheinung, daß die produktiveVerwertung des Baugrundkapitals anfänglich vermittels des Bauens in eigenerRegie versucht worden ist. So entstanden in zahlreichen Städten sogenannteBaubanken, deren Zweck die Organisation der gewerblichen Unternehmungauf kapitalistischer Grundlage war. Diese Baubanken erwarben weite FlächenBauareal, führten darauf die Kanalisierungs-, Pflasterungs- und sonstigenArbeiten aus, parzellierten den Baugrund auf beiden Seiten der neu-geschaffenen Straße und ließen die Grundstücke auf ihre eigene Rechnungbebauen. Sie stellten aber diese Tätigkeit sehr bald ein und beschränktensich in Zukunft auf die Grundstücksspekulation und die sogleich näherzu beschreibende Subventionierung von Zwischenunternehmern. DerHauptgrund ihres Zurücktretens vom Eigenbau liegt wohl darin, daßsie die indirekte Verwertung ihres Kapitals erheblich vorteilhafter fanden,um so mehr, als sie damit ihr Risiko auf ein ganz geringes Maß ein-schränken konnten.

Die meisten kapitalistischen Baugrundspekulationsunternehmen nennensich heute schon nurTerraingesellschaften.

Die überwiegende Mehrzahl aller Spekulationsbauten wird mit Hilfeeines solchen Zwischenunternehmers ausgeführt. Hinter ihmsteht der Geldgeber. Die unmittelbaren Geldgeber sind gegenwärtig das heißt in der letzten Zeit vor dem Kriege entweder die Terrain-gesellschaften, deren es 1912 in Deutschland 157 mit 386 Millionen

Somliart, Hochkapitalismus II. 48