758 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte
(1.) die Kommandite: Beteiligung einer einheimischen Bank an einerAuslandsbank durch eine Kapitaleinlage. Der Nachteil dieser Organi-sation besteht darin, daß die kommanditierte Bank doch immer einefremde Bank bleibt und deshalb die heimische Bank wenig Bewegungs-freiheit besitzt;
(2.) die Auslandsfiliale: die engste Form der Interessenvertretungauf fremden Plätzen. Sie ist namentlich von den französischen Groß-banken beliebt worden, die seit den 1860er Jahren zahlreiche Filialenim Auslande errichtet haben, so der Credit Lyonnais, das Comptoirnational d’Escompte, die Societe Generale.
Der Nachteil dieser Organisation besteht darin, daß die Filialesich nicht leicht ausdehnen kann.
(3.) die Gründung von Tochtergesellschaften: das englisch -deutscheSystem. „Eine oder mehrere Großbanken gründeten völlig neue Spezial-institute, um im Auslande Bankgeschäfte zu betreiben. Die Gründer-banken lieferten das Kapital. Die Aktien gingen entweder ganz oderzur Mehrheit auf die Dauer in ihren Besitz über, so daß die Leitungdes neuen Instituts — der Tochtergesellschaft — in ihren Händenblieb imd gegen ihren Willen ihnen nicht entwunden werden konnte.“
Diese Form der Bankenausdehnung hat sich als besonders frucht-bar erwiesen, weil sie die Anlage eines großzügigen Planes und dieaugenblickliche Anpassung an die Wirtschaftslage in dem fremdenLande gewährleistete.
Die Tochtergesellschaft kann ihren Sitz in der Heimat oder drübenhaben. Wichtige Typen der ersten Art in Deutschland waren die Bra-silianische Bank für Deutschland mit dem Sitz in Hamburg und dieDeutsche Überseebank in Berlin, deren Hauptbetätigungsfeld Süd-amerika war; den zweiten Typus vertrat die Deutsch-Asiatische Bank,die ihren Sitz in Schanghai hatte.
Das Heimatland der Auslands-, Übersee - und Exportbanken istEngland , das lange Zeit wegen des frühen Anfanges eine monopolartigeStellung auf dem Weltmärkte hatte. (Vgl. was darüber auf Seite 641 bemerktworden ist.) Im Jahre 1913 gab es in England 42 foreign und 37 ColonialBanks. Die Zahl der Bankstellen der (31) Colonial Banks des Jahres 1921betrug 6212.
In Deutschland gab es rein deutsche Banken im Auslande:
1890: 5 mit 27 Niederlassungen,
1913: 12 „ 106
Frankreich hat, wie ich schon bemerkte, sein Filialensystem.