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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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762 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. Wirtschaft! Prozesses i. d. Geschichte

Tabakbauern denken, deren Stellung zu den Faktoren 0. Prings-h eim beschreibt; oder an die Rübenbauern, die ihre Rüben an dieZuckerfabriken liefern; oder an manche Fälle von Kleinpächtern(Mezzadria!), die von einer Zentrale aus geleitet werden. Aber allediese landwirtschaftlichen Betriebe bleiben im wesentlichen doch selb-ständige Kleinbetriebe, denen nur bestimmte Verpflichtungen auf-erlegt sind, ohne in einen größeren Betrieb eingegliedert zu sein.

Eine sehr beliebte Form ist dagegen der dezentralisierte Betriebim Geld- und Kredit - sowie im Warenhandel, wo wirihn in Gestalt des Filialenbetriebes im vorigen Kapitel bereits kennen-gelernt haben.

Im Bereiche der gewerblichen Produktion ist der dezen-tralisierte Betrieb bekannt unter dem Namen der Hausindu-strie. Wir sind dieser Betriebsform schon einmal begegnet: dort,wo wir den Gründen nachgingen, die zu einer Verminderung der ge-werblichen Nebenbeschäftigung auf dem Lande und damit zur Ent-wurzelung des Landvolkes geführt haben. Hier müssen wir uns einBild von dem Bestände der Hausindustrie als Ganzem verschaffen undmüssen den Entwicklungstendenzen auf die Spur zu kommen suchen,die sie etwa beherrschen. Ich halte mich zu diesem Behuf an die Ziffernder deutschen Berufs- und Gewerbezählungen, weil sie die weitaus ge-nauesten sind, die wir besitzen. Im großen und ganzen wird man dieZustände in Deutschland als typisch für alle kapitalistischen Länderansehen dürfen.

Statistik der Hausindustrie in Deutschland :

Fassen wir die Gesamtzahl der hausindustriellen Betriebe oder derhausindustriell beschäftigten Personen ins Auge, so ergibt sich überein-stimmend nach allen drei Zählmethoden eine Abnahme während des Zeit-raums von 18821895 und von 18951907. (Siehe Tabelle Seite 763.)

Es ist bekannt, daß die richtige Erfassung der Hausindustrie für dieStatistik ein unlösbares Problem bedeutet. Die mitgeteilten Zahlen sindaller Wahrscheinlichkeit nach zu niedrig. Immerhin lassen sich aus ihnenfolgende Schlüsse ziehen: 1. daß etwa y 2 Million Menschen in Deutschland der Hausindustrie angehörten, eine Schätzung, die auch noch für die Zeitunmittelbar vor dem Kriege gilt; 2. daß sich diese Ziffer in dem Zeitraumvon 1882 bis 1907 vermindert hat.

Im folgenden soll diese Verminderung im einzelnen dargelegt werden.Es ist vor allem zu untersuchen, ob sie sich etwa auf alle Gewerbezweigegleichmäßig erstreckt oder nur einzelne betrifft, während andere vielleichtsogar eine Vermehrung aufweisen. In der Tat ist dies der Fall.

Schon wenn wir die großen Gewerbegruppen gesondert betrachten,ergibt sich eine ganz verschiedene Entwicklung in den einzelnen Gruppen.