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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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820 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte

Zunächst ist es selbstverständlich der in aller kapitalistischen Wirt-schaft gelegene rein formale und irrationale Ausdehnungs-drang desKapitals oder des Unternehmertums, der auch hierwirksam ist. Es ist eine Art von psychischem Zwang, unter dem dereinzelne Unternehmer steht. Oft will er nicht weiter auf der Bahn,aber er muß wollen. Ausführlich schildert Rockefeiler in seiner Selbst-biographie dieses Streben, Kapital auf Kapital zu türmen, daskeinen anderen Grund hat als den, daß das Geschäft wächst.

Man kann hier auch von einer immanenten Vergröße-rungstendenz sprechen, die in der Expansion selber steckt.Ein Keil treibt in der Regel den andern, erzählt uns Dr. Strousberg ,und so brachte der große Eisenbahnbau, wie ich ihn betrieb, weitereAnforderungen mit sich. Diese zu befriedigen, erweiterte ich meinenWirkungskreis, entfernte mich immer mehr von meinem ursprüng-lichen Plan, und dies gewährte mir so viel Aussicht, daß ich mich nunganz meinem Geschäfte hingab. Und diese immanente Vergrößerungs-tendenz scheint auch in dem größten modernen Expansionssystemwirksam gewesen zu sein, dem des Hugo Stinnes, dessenunruhiger,nach ständiger Eroberung, Neuformung, Ausdehnung und Veränderungfiebernder Geist die letzte treibende Kraft seines Wirkens war. SeinWirkungskreis aber dehnte sich sozusagen von selbst aus,weiljeder erste Schritt einen zweiten zur Folge hatte und jeder zweite einendritten, weil viel Verwandtes und Angliederungsbedürftiges ihm ent-gegendrängte oder entgegengetragen wurde, weil in diesem Systemdauernd Kapitalüberschüsse produziert wurden, die nach Anlageschrieen. (Pinner.)

(Ich bin diesen psychologischen Zusammenhängen weiter nach-gegangen in meinemBourgeois, Seite 219 ff., 448 ff.)

Mit diesen irrationalen Beweggründen mischen sich nun aber zueiner unauflöslichen Einheit der Motivation zahlreiche rationaleErwägungen, die den Unternehmer zur Vergrößerung seines Be-triebes drängen. Es ist das Bestreben, alle Vorteile der Rationalisierungauszunutzen, Vorteile, deren Nutzbarmachung oft genug an eineMindestgröße des Betriebes geknüpft ist. Diese Vorteile sind sehr ver-schieden begründet: sie liegen hier in der Spezialisation, dort in derKombination, hier in der Organisation des Absatzes, dort im innerenAufbau des Betriebes, namentlich in der Vervollkommnung derTechnik. Wenn sie nur erreichbar sind durch eine Ausweitungdes Betriebes, sieht sich der Unternehmer der Notwendigkeit