830 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte
dergewerblichen Produktion. Daneben aber lassen sieb noch verschiedenebesondere Gründe, die diese befördert haben, namhaft machen. Vondiesen soll hier die Rede sein. Es sind folgende:
1. Produktionsgründe, wie wir zusammenfassend die-jenigen Gründe nennen können, die in dem Bestreben liegen, den Pro-duktionsprozeß so rationell -wie möglich zu gestalten.
Sie sind zunächst rein technischer Natur. Wir wissen aus denKapiteln dieses Werkes, die von der Eigenart der modernen Technikhandeln, daß deren Fortschritte großenteils nur durch Vergrößerungdes Produktionsmittelapparates ausgenutzt werden können. Die einzelneMaschine, das einzelne Gefäß muß einen Mindestumfang haben, umden Anforderungen der Technik zu entsprechen, und jede Maschine,jedes Gefäß bildet wiederum den Bestandteil eines Systems vonMaschinen und Gefäßen, das dementsprechend ebenfalls eine Mindest-größe haben muß. Die Mindestgröße und ebenso die optimale Größedes Produktionsmittelapparates erheischen aber, wie wir ebenfalls schonfeststellen konnten, eine Mindestgröße oder optimale Größe des Be-triebes. Vergrößern sich also jene, so müssen sich diese notwendigebenfalls vergrößern. Welche Anforderungen der technische Fortschrittaber solcherweise an die Betriebsgröße stellt, mag an einigen Beispielenerläutert werden.
In der Papierindustrie, hat erst die Einführung der Papiermaschinedie Anforderungen an den Produktionsmittelapparat gesteigert. Dann wares der Übergang zum Holzschliff- und Zellulosepapier, der die Fabrikationim großen rationeller gestaltete. Wenn die früheren Maschinen eine Höchst-produktion von 6000 kg am Tage leisteten, so ist die Fähigkeit, heute biszu 12000 kg zu gelangen, zum größten Teile erst ermöglicht durch die Ein-führung der Zellulose. Siehe darüber die guten Ausführungen bei FranzSchäfer, Die wirtschaftliche Bedeutung der technischen Entwicklung inder Papierfäbrikation (1909), 183ff.
Im Druckereigewerbe haben Rotationspresse und Setzmaschine dieoptimale Betriebsgröße in die Höhe geschraubt.
In der Schuhmacherei können mit einer Überhol-, drei Zwick- und einerentsprechenden Anzahl Hilfsmaschinen bis zu 1000 Paar Schuhe am Tage beizehnstündiger Arbeitszeit hergestellt werden. 333 Paar oder 28 DutzendPaar Schuhe pro Tag und Zwickmaschine waren vor dem Kriege dieLeistungen der Amerikaner. Rechnen wir, daß auf jedes Paar Stiefelmindestens ein halber Arbeiter kommt, so ergeben sich sehr hohe optimaleBetriebsgrößen. Vgl. Friedrich Behr , Die volkswirtschaftliche Bedeutungder technischen Entwicklung in der Schuhindustrie [1909], 15.
Bei der Baumwollspinnerei wird die Mindestgröße des Betriebes durchdie völlige Ausnutzung der hochwertigen Vorbereitungsmaschinen be-