Einundfünfzigstes Kapitel: Die Konzentration
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stimmt, so daß heute eine Spinnerei für Garn mittlerer Nummern min-destens 10000 Spindeln haben muß, um rentabel zu sein. Ein solchesUnternehmen erforderte vor dem Kriege etwa y 2 Million Mk. Kapital.A. Oppel , Die Deutsche Textilindustrie (1910), 654. Die optimale Größeeiner Baumwollspinnerei für grobe Garne setzt Lincoln (a. a. 0. Seite586/87) jetzt auf 60—100000 Spindeln, die Mindestgröße einer solchenfür feine Garne auf 5000 Spindeln an. Diese Feinspinnerei kommt miteinem Kapital von 100000 $ aus.
Vgl. auch Chapman and Ashton a. a. O. für die englische Baum-wollindustrie.
Die Mindestgröße einer Gummireifenfabrik erheischt bei einer Monats-produktion im Werte von 500000 $ ein Kapital von 2 Millionen Dollar.Das Optimum liegt zwischen dieser Mindestgröße und den größtenFabriken, die mit einem Kapital von 100 Millionen Dollar arbeiten.Lincoln a. a. O.
Für die Montanindustrie galten in der letzten Zeit vor dem Kriegefolgende Sätze:
Kohlenbergwerk (Tiefbau): Normalgrößen: 500000 t Leistung; Kapital-aufwand 514 — 6 y 2 Millionen Mk.; eine Doppelschachtanlage mit 1 MillionTonnen kostete 9 Millionen Mk.
Hochofen: Kostete im Ruhrgebiet 2 y 2 , in den Vereinigten Staaten6 Millionen Mk. mindestens.
Stahlwerk: EinPuddelwerk mußte mindestens 20 Öfen und eine Luppen-strecke haben und kostete 300000 Mk.; ein Bessemerwerk 4Birnen zu 20tund ein Blockwerkwalzwerk und kostete 15 Millionen Mk.; ein Thomaswerkmußte auf eine Mindestproduktion von 400000 t eingerichtet sein.
Walzwerk: Das schon 1890/91 erbaute Essener Panzerplattenwerkkostete 12 Millionen Mk.
Ein ganzes Eisen- und Stahlwerk wurde vor dem Kriege in Deutschland bei optimaler Gestaltung auf 55 Millionen, in den Vereinigten Staaten auf 80—120 Millionen Mk. Anlagekapital geschätzt.
Na — und so weiter!
Es ist nun auch in Rücksicht zu ziehen, daß die Kraftanlagenimmer höhere Ansprüche an die Betriebsgröße und damit die Kapitalan-lage stellen. Wir wissen schon, daß die einzelne Maschine um so billigerwird, je größer dimensioniert sie ist (siehe oben Seite 541). Das Strebennach optimaler Nutzung der Kraftmaschine drängt also ebenfalls auf dieAusweitung der Betriebe hin. Im letzten Menschenalter, seit die Technikdie Übertragung des elektrischen Stromes für Heiz- und Kraftzweckeermöglicht hat (siehe Seite 106), ist nun ein neuer Anstoß zur Anlage großer,und zwar ganz großer Betriebe, in denen die elektrische Kraft erzeugtwird, entstanden. Auch hier ist die Entwicklung zu immer größeren Aus-maßen fortgeschritten. Während 1891 bei Anlage der ersten Übertragungder elektrischen Energie mittels Drehstroms die übertragene Energie100 PS bei einer Spannung von 16000 Volt betrug, wurde bei der 1912 in