834 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte
a) das Streben, sich unabhängig zu machen von irgendwelchen denRohstoffbezug oder den Absatz der Waren störenden Einflüssen: mangliedert im Auslande gelegene Werke an, um den Rohstoffbezug zusichern (Stinnes! Krupp!); man errichtet Zweigfabriken im Auslande,um der Verzollung zu entgehen: A.E.6.;
b) das Streben, den Absatz besser zu organisieren: Verkaufsstellender A.E.G.
Oder folgender Fall: Die Zusammenfassung der Krefelder Seidenwebereiin der Rheinischen Seidenweberei A.-G. gewähre, sagen die Begründer,Nutzen vor allem dadurch, „daß der ganze Konzern, der in einer Gesamtheitauch der fernliegenden Auslandsmärkte einen erheblichen Absatz hat, ausdiesem Grunde dort in lohnender Weise eigene Verkaufsagenten arbeitenlassen könne, deren Verkaufskraft wesentlich größer sei als die der vorherfür den getrennten Absatz der Einzelfirmen verwendeten Importhäuser.“Auch die Verschmelzung der Nürnberger Metallindustrie und verwandterBranchen in den Bingwerken A.-G. will besonders durch ihre gemeinsameVertriebsorganisation, die Concentra, Vorteile erzielt haben. H. v. Becke-rath, Kräfte [1922], 56;
c) das Streben, im Konkurrenzkampf mehr Macht entfalten zukönnen:
Die Kleinen sind „at the mercy of the aggressive and predatory policyof the less efficient but financially more powerful rival“, heißt es in demvon H. v. Beckerath, a. a. 0. Seite 44, mitgeteilten Report on Dyesand Dyestuffs (London 1921).
Eine dritte Gruppe von Gründen, die die Konzentrationsbewegungim Gewerbe verständlich machen, liegt auf dem Gebiete
3. der Finanzierung. Vielfach nämlich ist es die Bank, dieeine Fusion oder wenigstens einen Konzern zustande bringt, indem siedie Schwierigkeiten überwindet, die in dem Widerstande der Aktionäre,des Vorstandes oder des Aufsichtsrates liegen. Es gelingt ihr, sei es durchihr Gläubigerverhältnis zu den widerstrebenden Gesellschaften, sei esdurch ihre vorherrschende Stellung auf dem Geldmärkte, durch die siesich die Stimmenmehrheit in der Generalversammlung verschafft. Sieist aber an dem Zusammenschluß, der sich tunlichst als Fusion voll-ziehen soll, interessiert, weil dieser selbst ein gutes Geschäft ist, und weiler dauernde Beziehungen zwischen der Bank und den Firmen begründet.Je ausgedehnter der Wirkungskreis einer Unternehmung ist, „um sodringender (muß sich) das Bedürfnis einer finanziellen Unterstützungwirksam machen“, wie es sehr schön in einem Geschäftsbericht einerBerliner Großbank heißt.