882 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte
Seigneur wird noch immer gern mit dem jüdischen Geschäftsfreundein der benachbarten Kreisstadt in Verbindung bleiben wollen, bei demschon sein Vater und Großvater die Wolle und den Spiritus lombardierthaben); ich denke an den Einfluß des Traditionalismus (man bleibt inBeziehungen zu einem Bankhause aus gar keinem anderen Grunde, alsweil diese Beziehungen eben bestehen) u. dgl. mehr. Die Motive, die imWirtschaftsleben wirken, sind eben sehr mannigfaltig, und die Buntheitdes Lebens findet dann ihren Ausdruck in der Buntheit der wirtschaft-lichen Organisationen, wie wir sie hier und anderswo kennenlernen:Rationalisierung — gewiß; aber keine vollständig, wie ich eingangs zudiesem Unterabschnitte schon hervorgehoben habe. Es hat immer zuschiefen Urteilen geführt, wenn man, wie Marx und seine Anhänger,die rationalen Linien der Entwicklung und die bunte Gestaltung derWirklichkeit nicht scharf genug unterschied.
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Fassen wir noch einmal kurz zusammen, was wir in diesemausgedehnten und wichtigen Kapitel erkannt haben, so läßt essich in folgenden Sätzen aussprechen:
1. Außer in dem größten Gewerbe, der Landwirtschaft, fanden wirauf allen Gebieten des hochkapitalistischen Wirtschaftslebens eine mehroder weniger starke Neigung zur Vergrößerung der Betriebe. Diese hattein einigen Fällen (Textilindustrie) am Ende der hochkapitalistischenEpoche ihren Gipfelpunkt bereits erreicht, in den meisten Fällen wohlnoch nicht. Über die Betriebsvergrößerung im engeren Sinne hinausgriff hier und da eine Bewegung zur Bildung von Wirtschaftsbetriebenhöherer Ordnung ein in den sogenannten Konzernen.
2. In zahlreichen — keineswegs allen — Fällen sahen wir dieTendenz zur Vergrößerung verbunden mit einer Verschiebung des An-teils der einzelnen Betriebsgrößen an der Gesamtproduktion zugunstendes Großbetriebes, das heißt: konnten wir eine Konzentration imweiteren Sinne beobachten.
3. ln ganz seltenen Ausnahmefällen war es dabei zir einer Konzen-tration im engeren Sinne gekommen, das heißt hatte das Vor-dringen des Großbetriebes zu einer Zurückdrängung oder gar Beseiti-gung der kleineren und mittleren Betriebe geführt. Der Regel nachbleiben diese in ihrem absoluten Umfange erhalten, erobert also derGroßbetrieb kein schon besiedeltes Land, sondern besetzt nur Neuland.
Die Fälle, in denen es wirklich zu einer „Aufsaugung“ der kleinen(und mittleren) Betriebe gekommen ist, sind in der dargestellten Ent-