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C. Der innere Ausbau cler BetriebeZweiundfünfzigstes Kapitel
Die Verwissenschaftlichung der Betriebsführung
I. Was unter wissenschaftlicher Betriebsführung zu ver-stehen ist
Der Ausdruck „wissenschaftliche Betriebsführung“ (scientific ma-nagement) ist zu einem vielgebrauchten Schlagwort geworden, seitdemihn Taylor mit der dem Durchschnittsamerikaner eigentümlichenHarmlosigkeit und Unwissenheit für seine „Zeitstudien“ in Anspruchgenommen hat. Bei dem mit Affekt geladenen Streit um den „Wert“oder „Unwert“, die „Vorzüge“ oder „Nachteile“ des TaylorschenSystems ist die nüchterne Besinnung, was mit diesem Ausdruck„wissenschaftliche“ Betriebsführung sinnvollerweise gemeint seinkönnte, etwas zu kurz gekommen.
Ich versuche im folgenden das Versäumte nachzuholen.
Es liegt nahe, Verwissenschaftlichung der Betriebsführung undderen Rationalisierung gleichzusetzen. Doch scheint mir das bei ge-nauerer Prüfung nicht angängig zu sein. Nicht jeder „rationalisierte“Betrieb, das heißt also jeder unter dem Gesichtspunkte höchsterZweckmäßigkeit gestaltete Betrieb, ist auch schon ein „wissenschaft-lich“ geleiteter Betrieb. Er ist es nicht, solange die Ratio seelgebunden,einzelbestimmt, konkret ist, das heißt: solange die Betriebsführungaus den Erwägungen und Entschlüssen des Betriebsleiters allein ihreBestimmung erhält. Auch die vollendete Planmäßigkeit und Zweck-mäßigkeit, die, wie man es ausdrücken könnte, dem Betriebe immanentist, macht dessen Betriebsführung nicht zu einer „wissenschaftlichen“ inirgendwelchem sinnvollen Verstände. Dazu bedarf es vielmehr immerder Abstraktion der Grundsätze und Regeln, die die Betriebsführungbestimmen, von dem einzelnen Betriebe, ihrer Erhebung zu all-gemeinen Grundsätzen und Regeln, die auf den einzelnen Fall sinn-gemäße Anwendung finden können, und ihrer Objektivierung inVorschriften, in denen also die Gestaltung des Betriebes schon als