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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Zweiundfünfzigstes Kapitel: Die Verwissenschaftlichung d.Betriebsfühvung 889

der Vorgang, den ich Verwissenschaftlichung der Betriebsführung inder Überschrift dieses Kapitels genannt habe, keineswegs erschöpfendbezeichnet ist. Ich wiederhole: Eine solche Verwissenschaftlichung imweiteren Sinne liegt zweifellos schon vor, wenn überhaupt ein Betriebnach objektiven Vorschriften geführt wird; im engeren Sinne, wenndiese Vorschriften in systematischer Ordnung verfaßt sind; im engstenSinne, wenn die Ordnung nach den Grundsätzen des naturwissen-schaftlichen Denkens erfolgt, mag dieses sich auf die Sachbehandlungoder einen anderen Teil der Betriebsvorgänge beziehen.

Seit wann läßt sich denn nun eine solche Verwissenschaftlichungder Betriebsführung in der Geschichte nachweisen? Davon wissen wirnoch nichts. Denn die bisherigen tatsächlichen Feststellungen bezogensich nur auf die Geschichte der Betriebs wissen Schaft, nicht auf dieGeschichte der Betriebe. Wie aber steht es mit dieser?

III. Die Durchdringung des Wirtschaftslebens mit Wissen-schaftlichkeit

So leicht sich die Staffeln feststellen lassen, in denen die Lehrevon der Betriebsgestaltung zur Entfaltung gekommen ist, so schwerist eine genaue Bestimmung der Zeitpunkte, in denen die einzelnenBestandteile einer wissenschaftlichen Betriebsführung von der Praxisaufgenommen sind. Das Wenige, was sich an Tatsachen beibringenläßt, ist folgendes.

In gewissem Sinne ist ja jede kapitalistische Unternehmung alssolche ein wissenschaftlich geführter Betrieb. Denn sie ist zwangsläufigin das System der doppelten Buchhaltung eingefügt. Wenn wir alsodas Bestehen einer kapitalistischen Unternehmung von der Anwendungder doppelten Buchhaltung begrifflich abhängig machen, so könnenwir sagen, daß die wissenschaftliche Betriebsführung ebenfalls einnotwendiges Begriffsmerkmal der kapitalistischen Unternehmung ist.Aber das ist doch erst ein Anfang. Und sicherlich bildet die syste-matische Buchführung lange Zeit hindurch eine kleine Insel in demgroßen Meere der Empirie. Wann und wie und wo die übrigen Bestand-teile der Betriebsführung der Verwissenschaftlichung anheimgefallensind, wird sich mit einiger Sicherheit schwer feststellen lassen. Allen-falls kann man ungefähr den Zeitpunkt angeben, in dem ein Wirt-schaftsbereich in einzelnen Betrieben von der wissenschaftlichen Be-triebsführung ergriffen worden ist; fast unmöglich aber ist es, etwasGenaues über die Verbreitung auszusagen, die die Grundsätze der