888 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. Wirtschaft!. Prozesses i. d. Geschichte
Probleme der Betriebsgestaltung, erst einmal auf dem Gebiete derSachbehandlung, bemächtigen. Man kann sagen, daß damit zunächstweite Bereiche der Betriebsgestaltung der Betriebswissenschaft ver-loren gehen, weil sie einer allgemein-naturwissenschaftlichen Be-handlung, die auf die Betriebsgestaltung ja keine Rücksicht nimmt,anheimfallen. Es entwickeln sich die bergbaulichen, gewerblichen undlandwirtschaftlichen Technologien, die man heute, wo man den Über-blick bereits verloren hat, gar nicht mehr zu den Betriebswissenschaftenzu rechnen pflegt, weil sie in der Tat ihre eigenen Wege gegangen sind.Erst neuerdings biegt man sie zum Teil wieder zu Betriebs Wissen-schaften um, indem man die Anwendung der Ergebnisse jener natur-wissenschaftlichen Disziplinen auf die „Praxis“, das heißt also inBetrieben, zu besonderen Lehrzweigen ausgestaltet. Der „Maschinen-ingenieur“, der „Agrikulturtechniker“, der chemische Praktikantsollen die Verbindung wiederherstellen zwischen der verselbständigtenLehre von der Gütererzeugung in abstrakt-naturwissenschaftlicherBetracht ung und der Gütererzeugung in betriebswissenschaftlicherBetrachtung.
Während solcherweise die Probleme der Sachbehandlung dernaturwissenschaftlichen Methode seit langem anheimgefallen sind,blieben die Probleme der Organisation und die Probleme der Personen-behandlung innerhalb der Betriebswissenschaft bis vor kurzem von dieserMethode verschont. Und das nun eben ist es, was in der neuesten Zeit,das heißt seit dem Beginne dieses Jahrhunderts, das eingangs erwähnteSchlagwort von der „wissenschaftlichen Betriebsführung“ zum Aus-druck bringen will: das Bestreben, auch diese Teile der Betriebswissen-schaft nach den Methoden der Naturwissenschaft, wie ich sie obengekennzeichnet habe, zu behandeln. Das — und nur das — ist derSinn des „Scientific management“. Wie es Taylor, der natürlichvöllig ahnungslos in diesen erkenntnistheoretischen Dingen ist, selbsteinmal richtig ausdrückt: „In den meisten Fällen wird sich dieseWissenschaft mit Hilfe einer verhältnismäßig einfachen Analyse undZeitmessung der zu einem der einzelnen kleinen Teile der Arbeit not-wendigen Bewegungen aufbauen lassen.“ (Taylor-Roesler,Grundsätze, 125; Unterstreichung im Text.) Die genaueren Zusammen-hänge werden wir erst im nächsten Kapitel zu verstehen imstande sein.
Hier sei nur noch einmal festgestellt, daß die Einfügung diesesletzten Gliedes in die Kette naturwissenschaftlicher Behandlung derBetriebsvorgänge, worin die eigentümliche Leistung Taylors besteht,