Zweiundfiinfzigstes Kapitel: Die Verwissenschaftlichung d.Betriebsführung 891
einen. Boden fanden, auf dem sie sich zu großen, auf dem Weltmarktführenden Industrien auswachsen konnten.“ Ähnlich verlief die Ent-wicklung in Österreich und der Schweiz. Anders in Frankreich und nament-lich England . Hier fehlte es an Universitätslaboratorien, um einen Stammgeschulter Chemiker auszubilden, wie in Deutschland . Die Folge war dieGeringschätzung der wissenschaftlichen Chemie bei den Fabrikanten.In England waren noch in den 1890 er Jahren die durchgebildeten Chemikergroßer Fabriken dem Manager unterstellt, „der weder eine akademischenoch sonst eine Bildung besaß, und dessen Hauptfähigkeit im Einsteckenvon Schmiergeldern bestand.“ A. Binz , Die chemische Industrie und derKrieg. 1915. Seite 6f.
In den letzten Jahrzehnten ist die Verwissenschaftlichung der chemi-schen Betriebe auch in den übrigen Ländern fortgeschritten. Namentlichin den Vereinigten Staaten sind in dieser Hinsicht beträchtliche Fort-schritte gemacht worden.
Viel langsamer, auch in Deutschland , ist das wissenschaftlicheVerfahren in die mechanische Industrie eingedrungen. Wir könnenhier die Wandlung ebenfalls verfolgen an der Entwicklung des Berufesderjenigen Personen, die — als Mittler zwischen Theorie und Empirie— das an den Hochschulen begründete wissenschaftliche Verfahrengleichsam betriebsreif machen, wie dort der akademisch geschiütenChemiker, so hier der Ingenieure.
Seit wann beginnt die Ingenieurwirtschaft in den Betrieben?
Hier ist wohl England voraufgegangen, wo schon in der Mitte des19. Jahrhunderts ein Ingenieurstand sich vorfindet, der vielfach auch inanderen Ländern Verwendung findet. In Deutschland soll die Herrschaftdes Ingenieurs nach dem Urteil kenntnisreicher Männer nicht vordem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, ja eigentlich erst in den1890er Jahren beginnen und ihre Ausbreitung mit der Entwicklungder elektrotechnischen Industrie im engen Zusammenhänge stehen.Vorher fehlte die Möglichkeit einer Durchführung planmäßiger wissen-schaftlicher Versuche. Diese konnten bis in die 1890er Jahre nur an denMaschinen des praktischen Betriebes gemacht werden. Hier mangeltees aber an besonderer Gelegenheit zu richtiger Messung und Be-obachtung, zu richtiger Ausweitung der Versuchsergebnisse, um denallgemein gültigen, also wissenschaftlichen Zusammenhang zu finden.Die Elektrotechnik ermöglichte einfache, sichere Messungen, auchmitten im Maschinenbetriebe, einfachen Zusammenbau der Versuchs-einrichtungen usw. „Bald wurden in allen elektrischen Fabriken dieVersuchsfelder für planmäßige Untersuchung der Maschinen angelegt,und auch an den technischen Hochschulen entstanden neue elektro-