892 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte
technische Laboratorien.“ Bahnbrechend hat hier das RiedlerscheMaschinenlaboratorium an der Berliner Technischen Hochschule ge-wirkt, nach dessen Muster andere an allen Hochschulen erbaut wurden.Damit trat auch der Wandel in der Betriebsführung ein. Bis in die1880 er Jahre war die „Meisterwirtschaft“ die Regel; Ingenieurwirt-schaft drang nur allmählich vor, zuerst in der elektrotechnischenGroßindustrie.
„Schlecht bezahlte, schmächtige Zeichner, ohne Berührung mit demBetrieb, und selbstherrliche Werkmeister mit dem Zollstock im Stiefel-schaft können als Symbol dieser Zeit angesehen werden.
Alle Erfahrungen waren Fabrikgeheimnisse; nur wenige erlangtenEinblick, Werkmeister waren die Leute, die sich gewaltig viel einbildetenund ihre vermeintlichen Geheimnisse hüteten. Die ,Erfahrungen 1 warenmeist Folgen vorangegangener Fehler, die kuriert werden mußten, und diezufälligen Kurerfahrungen wurden dann Grundsätze.
Die Bildungsmittel waren sehr beschränkt; es gab nur beschreibendeNaturwissenschaft und etwas Technologie. Die wenigen technischen Zeit-schriften waren sehr dürftiger Art; Rezepte spielten noch eine Rolle, alleswar unzuverlässig, nirgends gab es wertvolle, sichere Grundlagen, nirgendsausreichende wissenschaftliche Hilfsmittel.“ A.Riedler, Emil Rathenau [1916], 30.
Vgl. auch die anschaulichen Schilderungen der ersten Versuche mitFowlerschen Dampfpflügen in Ägypten bei Max Eyth, Hinter Pflug undSchraubstock, 239.-243. Tausend, 1925. S. 48ff. usw. und unten S. 897.
Wie sehr die wissenschaftliche Betriebsführung (soweit die Sach-behandlung in Frage kommt) durch die Ingenieurtätigkeit bestimmtwird, hat ebenfalls A. Riedler in anschaulicher Weise geschildert.Ich will seine darauf bezüglichen Ausführungen noch im Wortlauthierher setzen.
„Alles Wesentliche wird Ingenieurarbeit: die vorbereitende Forschung,die Entdeckungen, die Neugestaltungen, die Patentverarbeitung, dieallgemeinen Pläne, die Konstruktionen, welche den vielseitigen, neuenwechselnden Bedürfnissen und technischen Möglichkeiten folgen müssen,die Einzelausbildung für die Fabrikation und für den Betrieb, die Ordnungund der Verlauf der gegliederten Werkstättenausführung, dann derZusammenbau, die Erforschung, Beobachtung und Messung an denMaschinen und Einrichtungen bei den Versuchen im Laboratorium, aufden Prüffeldern der Fabriken und im praktischen Betriebe, die Aufstellung,und Ingangsetzung der Maschinen am Betriebsorte, die Aufstellung undder Betrieb der Ausrüstungen, Schaltungen, Hochspannungsanlagen, diePrüfung und Beobachtung im Betriebe, das Sammeln neuer Erfahrungen,die Auswertung dieser als Grundlage für neues Planen, für Neugestaltungenund auf allen diesen Stufen die ständige Rücksichtnahme auf die Wirt-schaftlichkeit der Betriebe und des Unternehmens. Dann die Werbe-