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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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900 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtseliaftl. Prozesses i. d. Geschichte

muß gleichsam seine Seele in der Garderobe abgeben. Seine Ein-stellung erfolgt ganz schematisch: sein Name wird in das Aufnahme-buch oder die Arbeiterstammrolle eingetragen und verschwindet hier,um als Nummer wieder zu erscheinen, der Arbeiter hört auf, Personzu sein und wird Nummer, unter einer Nummer wird er währendseiner Beschäftigung im Betriebe geführt (sogenannte Markennummer).Er wird ärztlich untersucht undgetestet, das heißt an Apparatenmechanisch auf seineEignung geprüft. Zum äußeren Zeichen, daßer nicht mehr Person ist, legt er seine Zivilkleider ab und schlüpft indie Anstaltskleider.

Innerhalb des Betriebes fällt jede persönliche Beziehung zwischenUnternehmer und Arbeiter, Aufsicht und Arbeiter, Arbeiter undArbeiter fort. In der Vollendung stellt diese Seelenlosigkeit derFordsche Betrieb dar, von dem sein Begründer in seiner Lebens-beschreibung etwa folgendes sagt:Um Hand in Hand zu arbeiten,braucht man sich nicht zu lieben (107).Persönliche Fühlungnahmegibt es bei uns kaum, die Leute verrichten ihre Arbeit und gehen wiedernach Hause, eine Fabrik ist schließlich kein Salon (131).FürPatriarchalismus ist in der Industrie kein Platz (151).Wir haltennicht viel . . . von der persönlichen Fühlungnahme' oder von dem,menschlichen Element' im Berufsleben. Dafür ist es schon zu spät.

Im Betriebe soll nicht Seele, soll nur Geist sein. Der moderne Betriebsoll gleichsam das passende Kleid für die kapitalistische Unternehmungabgeben, die selber reines Geistgebilde ist. Unbildlich gesprochen:der Sinngehalt der modernen Betriebsgestaltung erschöpft sich darin,daß sich in ihr eine Annäherung an die Idee der kapitalistischen Unter-nehmung vollzieht, die im Betriebe Wirklichkeit wird.

Fragen wir aber wie dieser Vergeistungsvorgang, dieser Ersatz derSeele durch den Geist sich vollzieht, so hat uns Taylor darauf nichts-ahnend die richtige Antwort gegeben, wenn er einmal bemerkt:Bisher stand die Persönlichkeit an erster Stelle, in Zukunft wirddie Organisation und das System an erste Stelle treten.(Taylor-Roesler, 4, Unterstreichung von mir.) Das ist es: an dieStelle menschlicher Beziehungen tretenSysteme. In sie hinein fallengleichsam Menschen und Sachen, die in den Betrieb wie in einenTrichter geschüttet werden, und werden wie in einem Mechanismusgemäß den Gängen und Schaltvorrichtungen an den richtigen Platzgeschoben.

Prüfen wir, was es mit diesenSystemen auf sich hat.