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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Dreiundfünfzigstes Kapitel: Die Vergeistung der Betriebe

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sich besonders einstellen. Aber auch die Ackerarbeit ist fast immereine von Fall zu Fall verschiedene: das Ziehen einer Furche mit demPfluge, das Miststreuen, das Mähen, das Rübenverziehen, das Ein-fahren des Getreides oder Heues (jeder Erntewagen ist eineirrationaleIndividualität!) sind alles Arbeiten, die Besinnung, Urteil, Entschluß wenn auch in allergeringstem Ausmaße erfordern. Selbst dieMaschine in der Landwirtschaft verlangt eine persönliche Bedienung.Es kommt dazu, daß der Landwirtschaftsbetrieb nur in sehr geringemUmfange den Spezialarbeiter kennt.

Aber auch in anderen Wirtschaftszweigen sind im Betriebe altenStils die einzelnen Arbeitsverrichtungen beseelt. Das zeigt sich imHandelsgewerbe in der Abgrenzung der verschiedenen Funktionen-kreise, wenn überhaupt schon eine Zerteilung der komplexen Kauf-mannsarbeit eingetreten ist. Wir erinnern ims wiederum der Schilde-rungen inSoll und Haben, wo die alten Kommistypen, deren jederseinen beseelten Wirkungskreis hat, sehr lebendig uns vor Augen gestelltwerden: der Buchführer, der Korrespondent, der Kassierer, der Magazin-verwalter, der Reisende.

Auch das Transportgewerbe ist reich an beseelten Arbeits-verrichtungen sogar bis auf den heutigen Tag geblieben: der Wagen-knecht, der Chauffeur, der Eisenbahnschaffner (jeder Zug ist verschiedenstark besetzt!) vollbringen in jedem Augenblick eine höchstpersönlicheTätigkeit.

Selbst der industrielle Betrieb kennt in seiner früheren Formden lebendigen Arbeiter. Nicht nur in der Manufaktur, sondern auchin der Fabrik. Auch hier gibt es Verrichtungen, die den jedesmaligenEinsatz der ganzen Persönlichkeit verlangen. Wir werden weiter untensehen, welche das sind.

II. Die Wandlung

1. Die Ausschließung der Seele aus dem BetriebeIn einemmodernen Betriebe, das heißt in einem solchen, derden höchsten Anforderungen kapitalistischer Wirtschaftsführung ent-spricht, soll keine Seele sein.Ein Riesenunternehmen ist zu groß,um menschlich zu sein. Es wächst derart, daß es die Persönlichkeit deseinzelnen erdrückt. In einem großen Unternehmen verschwindet dieGestalt des Arbeitgebers wie des Arbeitnehmers in der Menge (Ford).

Deshalb sorgt man von vornherein dafür, daß möglichst wenigSeele in den Betrieb eindringt: der Arbeiter, der eingestellt wird,

Sombart , Hochkapitalisnms IT. 57