Vierundfiinfzigstes Kapitel: Die Verdichtung der Betriebe 937
Konstruktion. Der Praktiker stellt fest: „Das Akkordsystem verlierterfahrungsgemäß seine arbeitsteigernde Wirkung, wenn man dauerndden Lohn herabsetzt“ (Fabrikbesitzer A. Bernhard a. a. 0. S. 74).Grund ? Der instinktive oder bewußte Widerstand des Arbeiters.Sobald der Arbeiter das Gefühl hat, daß seine Arbeitsleistung schließlichzum Herabsetzen der Akkordlöhne führt, wird er sich hüten, schnellzu arbeiten.
In dieser Notlage ist man zu einer Verbesserung der Akkord-löhnung fortgeschritten. Die Verbesserung hat darin bestanden, daßman einige neue Reizmittel zu den bisherigen im Stücklohn als solchemgelegenen hinzufügte. Das waren einerseits Belohnungen (Prämien,Bonus) für den Fall, daß der Arbeiter eine bestimmte Leistung erreichte.Hierher gehört das von Taylor (nicht erfundene, aber propagierte)Differenziallohnsystem, bei dem die Akkordsätze steigen bei Über-schreitung eines bestimmten Ergebnisses der Arbeit. Progressive Löhnehat Paul Leroy-Beaulieu alle diese Arten von Löhnen genannt.Ihnen stehen, wie man sie nennen könnte, die Degressivlöhne gegenüber.Sie sind die andere Möglichkeit, die Reize des Akkordlohnsystemes zusteigern: man läßt Benachteiligungen eintreten, wenn der Arbeitereinen bestimmten Ertrag, das sogenannte Pensum, nicht erzielt: derAkkordlohnsatz beträgt 1,40 Mark das Stück, erzeugt der Arbeiternicht mindestens 10 Stück, so beträgt der Akkordsatz nur 1 Mark dasStück: der Task-Wage bei David Schloß, jetzt von Grantt in U.S.A. besonders vertreten.
Im Grunde laufen das Prämiensystem und das Pensumsystem aufdasselbe hinaus: der Arbeiter soll zu einer festgesetzten Arbeitsleistung.angespornt werden. Die Höhe dieser Leistung ward bestimmt, indem mandie Leistung eines besonders leistungsfähigen Arbeiters zugrunde legt.
Die Erreichung des Pensums wird dadurch gewährleistet, daß mandie lässigen -und schwächeren Arbeiter ausschaltet. „Die Idee desPensumsystems sollte . . . stets durch die Verkündigung aufrechterhalten werden, daß jeder reu eintretende Arbeiter nur bei dauernderErreichung eines gewissen Tagesverdienstes . . . oder, was das gleicheheißt, bei Vollbringung einer bestimmten Arbeit seinen Platz behaltenkönne . . . Wenn der Arbeitsmarkt derartig liegt, daß eine genügendeAnzahl erstklassiger Arbeiter beschäftigt gehalten werden kann, dannsetze man die täglichen Arbeitsraten so hoch, daß nur erstklassigeLeute die Leistung vollbringen können . . .“ (Taylor-Walliehs.a. a. 0. Seite 27/28).