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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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936 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte

nung der Rationalisierung des Arbeitsverhältnisses überhaupt begegnetsind: siehe Seite 659, 671. Einer der Vorteile, die der Stücklohngegenüber dem Zeitlohn gewährt, ist zweifellos der, daß er die Energie-ausgabe des Arbeiters steigert.

Beispiele der Energiesldgerung durch den Akkordlohn:

Eine gewisse Klasse Arbeiter, welche in einer dem Verfasser bekanntenSchuhfabrik Sohlen nähen, verdoppelte, als man zum Stücklohn überging,ihren Ertrag. Es stellte sich heraus, daß vier Maschinen, an welchen dieLeute in Stücklohn arbeiteten, annähernd dasselbe Ertragsquantum er-gaben wie früher, als die Arbeiter noch in Zeitlohn standen, sieben Maschinengeliefert hatten.

In einer Fahrradfabrik wurde die überlegene Leistungsfähigkeit derim Stücklohn beschäftigten Arbeiter dem Verfasser durch die Tatsacheoffenbar, daß von fünf Lötherden drei kalt und unbenutzt waren; eineTatsache, die um so rätselhafter war, als der ganze Betrieb äußerst lebhaftim Gang und mit Aufträgen überhäuft war. Die Erklärung wurde dahingegeben, daß die Arbeiter kürzlich auf Stücklohn gestellt waren, und daßinfolgedessen zwei Leute jetzt dieselbe Arbeit leisteten, die früher in Zeit-lohn von fünf Leuten vollbracht worden war. Ich habe in Fällen, die zuzahlreich sind, um sie zu erwähnen, festgestellt, daß die Steigerung desArbeitsertrages, welche beim Übergang zum Stücklohn ermöglicht wurde,sich auf 3050% beläuft. L. Bernhard-Schloß, a. a. 0., Seite 38f.

Zu ähnlichen Ergebnissen gelangen die genauen Untersuchungen, dieFabrikbesitzer A. Bernhard über die Wirkung der Stücklöhnung aufArbeitsleistung und Arbeitslohn angestellt hat und die an derselben Stelle,Seite 68 ff. mitgeteilt werden: die Zeitersparnis bei Akkord betrug bei An-

fertigung folgender Gegenstände:

Binder (bei der Dachkonstruktion).33 % %

Pfetten .33%

Windverband für Dachstühle. 2733%

Schmiedeeiserne Stützen zu Wohnhäusern .... 25%

Schmiedeeiserne Fenster für Fabrikbauten . . . 2428%

Wellblechtüren für Schuppen. 3033% usw.

Es ergibt sich, daß der in Akkord Beschäftigte etwa ein Viertel bis einDrittel der Arbeit (lies: Arbeitszeit. W. S.) erspart, die Zeitlöhner er-fahrungsgemäß gebrauchen.

Aber der Akkordlohn ist nicht eitel Wonne. Es gibt Fälle, in denener nicht ausreicht, um die erwünschte (und mögliche) Menge von Arbeits-kraft aus dem Arbeiter herauszuholen. Das ist auf den ersten Blicknicht recht verständlich. Man sagt sich doch: der Unternehmer brauchtden Akkordsatz nur immer weiter herabzusetzen, um den Arbeiter zuimmer weiterer Steigerung seiner Arbeitsenergie zu veranlassen, biszu dem Punkte, wo dieser tot an seiner Maschine zusammenbricht.Im Leben gestalten sich die Dinge anders als in der theoretischen