Vierundfünfzigstes Kapitel: Die Verdichtung der Betriebe 945
Spinnerei dar. An ihr hat bekanntlich Karl Marx im zweiten Bandedes Kapitals seine geniale Theorie der Kapitalzirkulation vornehmlichveranschaulicht. Und es ist nun reizvoll, zu beobachten, wie sich seit derAbfassung jenes zweiten Bandes, also seit etwa zwei Menschenalterndie Bedingungen des Kapitalumschlags von Grund aus geändert haben.Marx rechnet noch mit sechs- bis achtwöchentlichen Baumwolltrans-porten, ebensolangen Kemittierungszeiten, mit eigengehandelten Roh-stoffen, großen Lagern, wochenlangen Produktionszeiten usw. und ge-langt auf diese Weise zu außerordentlich langen Umschlagsperioden,die heute völlig veraltet sind. Heute ist das Prinzip dieses: derenglische Spinner kauft den Rohstoff in Ideineren Quantitäten von8 zu 8 Tagen in Liverpool gegen bar oder kurzes Ziel. Also so gut wiegar keine Baumwolle wird auf Lager gehalten. Die gekaufte Baumwolleverweilt in der Fabrik nur wenige Tage dank der erheblich beschleunigtenGangart der Maschinerie und dem besseren Ineinandergreifen dereinzelnen Produktionsprozesse. Zwei- bis dreimal wöchentlich verkaufter das Garn an der Börse von Manchester , deren Organisation selbst ihmerst die Möglichkeit seiner kurzfristigen Produktion verschafft.
Wenn nun auch die Länge des Lebenslaufes einer Ware in ihremnaturalen Zustande keineswegs notwendig sich deckt mit der Längeder Umschlagsperioden der Einzelkapitalien, so darf doch als Regelgelten, daß auch die Abkürzung der (objektiven) Zirkulationszeit sowieder Produktionszeit der Ware aus dem Streben nach Beschleunigungdes Kapitalumschlags sich ergibt, somit also eine Tempobeschleünigungdes wirtschaftlichen Prozesses auch in naturaler Betrachtungsweise(d. h. ohne Rücksichtnahme auf die dabei entstehenden Rechtsver-hältnisse) die Folge ist.
Kann diese Tatsache jemand leugnen? Kaum. Selbst wohl nichtBöhm-Bawerk . Und doch blieb dieser sein Leben lang bei seiner Be-hauptung stehen: es werde das Wirtschaftsleben (insonderheit das derGegenwart) von der Tendenz zur Yerlängerung des Produktions-weges beherrscht. Und hat er nun damit etwa nicht auch recht? Ist esnicht der längere Weg, den die maschinelle Herstellung von Leinengarnzurücklegt, als der, auf dem die spinnende Bäuerin zum Ziel gelangt:beidemal angenommen, daß die Produktion der Ware selbst samtderjenigen ihrer Produktionsmittel gerade jetzt im Augenblicke an-fange? Gilt nicht dasselbe für jede Produktion auf hoher technischerGrundlage unter Anwendung großer Maschinensysteme in mächtigenFabrikgebäuden, wo ein gewaltiger Apparat von Produktionsmitteln