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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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"940 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. Wirtschaft!. Prozesses i. d. Geschichte

in Bewegung gesetzt wird, im Vergleich zu der technisch wenigervollendeten Herstellungsweise ? Selbst wenn man zögern möchte, eineAllgemeinheit dieser von uns des öfteren beobachteten Tendenz an-zuerkennen : soviel ist doch sicher, daß in der überwiegenden Mehrzahlder Fälle sich ihre Wirksamkeit nachweisen läßt. Wir können als Regelannehmen, daß die vollkommenere Verfahrungsweise einer mächtigenZusammenfassung produktiver Kräfte, genauer: einer stärkeren Ver-wendung von Produktionsmitteln bedarf als die weniger vollkommene.I)a diese aber die Produktion als Ganzes genommen vor Beginndes eigentlichen Produktionsprozesses immer erst herzustellen sind, sodauert es natürlich allemal länger, eh e die erste Menge Produkt mittelstdes vollkommeneren Verfahrens gewonnen wird.

Im praktischen Wirtschaftsleben tritt nun freilich dieser Sach-verhalt niemals unmittelbar als solcher in die Erscheinung: brauchtja doch kaum eine längere Spanne Zeit zu vergehen, bis der Fabrikantseine Schuhfabrik, als bis der Schuster seine Werkstatt eingerichtethat. Beide kaufen alles, was sie zur Produktion bedürfen, fertig aufdem Markte. Und wenn sie nun ihre Tätigkeit beide an demselben Tagebeginnen, so haben am Abend dieses Tages in der großen Fabrik tausendArbeiter tausend Paar Schuhe fertig gestellt, während auf dem Arbeits-tisch des Schusters ein Paar in halbfertigem Zustande liegt.

Gleichwohl macht sich auch in der Praxis jene Verlängerungs-tendenz (wie wir der Einfachheit halber fürderhin sagen wollen), wennauch auf Umwegen, bemerkbar. Und zwar darin, daß sie auf eineVerlängerung der Umschlagsperioden des Kapitals hinwirkt.Jeder Ersatz der Handarbeit durch Maschinenarbeit bedeutet eineVermehrung des fixen Kapitals im Verhältnis zum Gesamtkapital,verlangsamt also den Rückstrom des Kapitals zu seinem Besitzer.Werden aber größere Betriebsstätten, stärkere Maschinen, fcragfähigereSchiffe gebaut, so bedeutet auch dieses wiederum eine Verlängerung derUmschlagperioden des Kapitals, weil die neuen Produktionsmittel soviel mächtiger in ihren Ausmaßen sind, daß sie auch eine längere.Amortisationsperiode erheischen.

Und nun wird es auch ersichtlich, weshalb ich den Streit Lexis-Böhm unter dem Gesichtspunkt derAntinomie zu betrachten denLeser aufforderte. Die Beschleunigung des wirtschaftlichen Prozessesleiteten wir aus dem Bedürfnis des Kapitals nach Abkürzung seinerUmschlagsperioden ab. Die Wegverlängerungstendenz dagegen löstenwir auf in eine Tendenz gerade zur Verlängerung der Umschlagsperioden.