Vierundfünfzigstes Kapitel: Die Verdichtung der Betriebe 947
Beide Tendenzen also wirken einander entgegen. Aber was das Ent-scheidende ist: ihr Gegeneinanderwirken ist ein notwendiges, ein„gesetzliches“ deshalb, weil die eine die andere aus sich erzeugt. Indem Sinnen auf Beschleunigung des Umschlags seines Kapitals wird,wie wir feststellen konnten, der Unternehmer darauf geführt, dentechnischen Prozeß der Gütererzeugung und des Gütertransportes vorallem abzukürzen. Nun ergibt sich aber, daß diese Abkürzung denErsatz des umlaufenden durch fixes Kapital (Übergang zur Maschinen-arbeit und dergleichen), den Ersatz von Produktionsmitteln mitkurzen Reproduktionsperioden durch solche mit langen Reproduktions-perioden meist erforderlich macht. Denn nur die solcherart ver-stärkten Produktionsmittel vermögen die Verfahrungsweisen zu tragen,.aus deren Anwendung die Beschleunigung des technischen Prozessesfolgen soll. Das Streben des Unternehmers nach Abkürzung■erzeugt also zunächst die Tendenz zur Verlängerung derUmschlagsperioden seines Kapitals. Ist aber einmal dieBetriebsanlage auf der verbreiterten Basis ins Leben gerufen, so wirdnun alles Bemühen des Unternehmers auf höchstmögliche Schnelligkeitdes Prozesses gerichtet sein, um das in der Anlage investierte Kapitalmöglichst rasch zu reproduzieren, bzw. zu amortisieren. So erzeugtdie Verlängerungstendenz wiederum die Abkürzungs-tendenz. Und es gewinnt fast den Anschein, als ob diese unausgesetzte,erzwungene Entwicklung dieser beiden Gegentendenzen, die sich ins-besondere auch als ein Gegeneinanderwirken der in diesem Kapitelbesprochenen beiden Verdichtungsformen: der Raumökonomie undder Zeitökonomie darstellen, die Bewegungsformel sei, iD der sichdas moderne kapitalistische Wirtschaftsleben abspielen müsse. Jeden-falls ist ihre Wirksamkeit für die Ausbildung des Gesamtcharaktersunserer Wirtschaftsepoche von entscheidender Bedeutung.
Denn machen wir uns klar, daß in der Wirksamkeit jener beidenTendenzen die Entfaltung zweier Erscheinungen eingeschlossen ist,die wir getrost als die Zentralphänomene der hochkapitalisti-schen Wirtschaft bezeichnen können. Ich meine das zunehmendeÜberwiegen der sachlichen über die persönlichen Produktionsfaktorenim wirtschaftlichen Prozeß; die sich immer mehr ausdehnende Herr-schaft der vorgetanen über die lebendige Arbeit, der Vergangenheitüber die Gegenwart, sei es in Gestalt von Instrumenten, sei es inGestalt von Organisationen oder Vor-Schriften, die Vergeistung undVersachlichung also einerseits;
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