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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Fünfundfünfzigstes Kapitel

Der Kapitalismus

Nun sind wir am Ende einer langen Wanderung durch einen Zeit-raum von mehr als tausend Jahren europäisch-amerikanischer Wirt-schaftsgeschichte angelangt, an dessen Anfang Karl der Große, audessen Ausgang Stinnes oder Pierpont Morgan stehen. In diesem Zeit-raum hat aus seinen ersten Keimen bis zur Reife sich jenes seltsameGebilde entwickelt, das wir den Kapitalismus zu nennen uns gewöhnthaben, und das in seiner Entfaltung zu verfolgen wir uns zur besonderenAufgabe gemacht hatten. Ihn als eine der markigen Ausdrucksformendes europäischen Geistes zu verstehen, hatten wir uns vorgenommen.

Und ich hoffe, daß es mir gelungen ist, im einzelnen nachzuweisen,wie das Urbild, das uns am Eingang meiner Darstellung vor Augenstand, im Laufe dieser langen Jahrhunderte sich verwirklicht hat:erst langsam schrittweise, dann sprunghaft in immer rascheremSchrittmaße.

Dieses gewaltige Anschwellen und Erstarken der kapitalistischen Macht während der letzten 150 und noch genauer während der letzten50 Jahre zu verfolgen, bezweckt dieser dritte Band meines Werkes.Ihm oblag vor allem, das ganz einzige Zusammentreffen der Umständezu schildern, die zu der unerhört großartigen, so extensiven wie inten-siven Entfaltung des kapitalistischen Wirtschaftssystems beigetragenhaben. Neue Triebkräfte, neue Staatsbildungen, neues technischesWissen und Können lernten wir als die Grundlagen kennen, auf denensich eine nie dagewesene gleichsam plötzlich aus dem Boden gewachseneMasse von Menschen und Sachdingen zu riesenhaften Gebildenzusammentürmten.

Diese Gebilde in ihrer Eigenart zu verstehen, hat mir besondersam Herzen gelegen. Der Versuch wurde unternommen, den gewaltigenKosmos zu schildern, den die kapitalistische Wirtschaft darstellt.Denn daß diese ein wundersames Gefüge bildet, dessen einzelneTeile kunstvoll ineinander greifen, kann für niemand, der sich seinemStudium hingegeben hat, zweifelhaft sein. Ein Gefüge, das um sobewundernswerter ist, als es, ohne jeden bewußten Gestaltungs- und