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Schluß: Die Gesamtwirtschaft
Leitungswillen, ausschließlich durch eigenmächtig ihr eigenes Interesseverfolgende Einzelwirtschaften zustande gekommen ist. Was wollendie gelegentlichen Störungen (zu denen man natürlich Störungen, wie diedurch den Weltkrieg verirrsachten, nicht rechnen darf) besagen angesichtsder überwältigenden Tatsache, daß in der kapitalistischen Wirtschaftaus dem Nichts ein System herausgebildet ist, das es ermöglicht hat,eine um Hunderte von Millionen anwachsende Bevölkerung zu er-nähren, zu bekleiden, zu behausen und mit allerhand Schmuck undTand zu behängen und allabendlich zu amüsieren? Man mag eine„prästabilierte Harmonie“ annehmen oder eine innere Gesetzmäßig-keit oder ein Wunder: immer werden wir genötigt sein, dieses Riesen-gebilde, das größte zivilisatorische Werk, das Menschengeist geschaffenhat, zu bewundern. Auch dann, wenn man es etwa haßt und für Teufels-wesen hält. Dann würde man eben einsehen müssen, daß auch derTeufel großartige Werke in dieser Welt zu schaffen vermag.
Die vulgär-marxistische Lehre hält an der Meinung fest, daß diekapitalistische Wirtschaft „anarchisch“ sei. Nichts falscher als dies.Und einsichtige Marxisten haben denn auch längst zugegeben, daßdiese Ansicht grundverkehrt ist. Werke wie die von K. Renner,R. Hilferding , E. Lederer u. a. haben sich selbst zur Aufgabegestellt, das kunstvolle Gefüge des Kapitalismus, wenigstens in einzelnenTeilen, zu schildern. Welcher Wandel hier in den Anschauungen ein-getreten ist, mögen folgende Worte Lederers kundtun. „MeineMeinung, schreibt er, geht dahin, daß die kapitalistische Wirtschaft —und das trifft für die Zeit vor dem Kriege viel stärker zu als für dieZeit nach dem Kriege — tatsächlich einen Wirtschaftsplan realisierthat. Auch der 2. Band des .Kapitals' von Karl Marx kommt zudem Resultat, daß jeweils eine bestimmte Relation bestehen müssezwischen konstantem undvariablemKapital, und daß auch die einzelnenProduktionszweige in einer bestimmten Relation zu einander stehenmüssen. Das alles ist kein Geheimnis für den, der die kapitalistischeWirtschaft in ihrem Marktbild betrachtet und sie nicht ansieht als eineungeregelte, wilde Konkurrenz, sondern welcher unter der scheinbaraller Regel spottenden Fülle von Einzeltatsachen die innere Gesetz-mäßigkeit dieser Wirtschaft anerkennt. . . Wir sehen, daß diese Gesetz-mäßigkeit, der regehnäßige Ablauf, die Reproduktion des Wirtschafts-prozesses als konstanter UDd in sich stabiler Prozeß klar zutage liegt.. .Infolgedessen können wir von einer Anarchie der kapitalistischen Produktion keineswegs sprechen, um so mehr [weniger?] als die